Therapie des Weichteilsarkoms: Wirksamkeit von Olaratumab in Phase 3 Studie nicht bestätigt

Dienstag, den 05. Februar 2019

Rote-Hand-Brief Lartruvo®

In Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) und dem Paul-Ehrlich-Institut informiert der pharmazeutischen Unternehmer Lilly Deutschland via Rote Hand-Brief über neuste Erkenntnisse betreffend ihres Präparats Lartruvo®. Laut Ergebnissen einer nach Zulassung beauftragten klinischen Phase 3 Studie konnte die Wirksamkeit des enthaltenen Arzneistoffs Olaratumab für die Indikation Weichteilsarkom nicht bestätigt werden.

Der rekombinante, humane monoklonale Antikörper vom Immunglobulin G Subklasse 1 (IgG1)-Typ ist ein Antagonist des PDGFRα (platelet derived growth factor receptor α bzw. Thrombozyten-Wachstumsfaktor-Rezeptor α), welcher sich auf Tumor- und Stromazellen befindet. Zielgerichtet bindet Olaratumab an PDGFRα und verhindert damit eine Bindung der Wachstumsfaktoren PDGF AA, BB und CC, wodurch in Folge dessen Teilung und Wachstum der PDGFR-tragenden Krebszelle unterbunden werden. 

Die beschleunigte Zulassung des Medikaments durch die US-amerikanische Zulassungsbehörde (FDA) auf dem amerikanischen Arzneimittelmarkt erfolgte aufgrund positiver Ergebnisse einer in den Vereinigten Staaten durchgeführten randomisierten Phase 2 Studie. Die Auflage für die permanente Zulassung in Europa durch die EMA war die Verifizierung der klinischen Wirksamkeit im Rahmen der ANNOUNCE Studie (I5B-MC-JGDJ). 

In dieser globalen Phase 3 Studie, in welcher Patienten mit fortgeschrittenem oder metastasiertem Weichteilsarkom untersucht wurden, konnte allerdings keine klinische Wirksamkeit von Olaratumab in Kombination mit Doxorubicin im Vergleich zu einer Standard-Behandlung, einer Doxorubicin-Monotherapie nachgewiesen werden.

So wurden die primären Endpunkte bezüglich des verlängerten Überlebens in der Gesamtpopulation (Median 20,4 vs. 19,7 Monate für Lartruvo® plus Doxorubicin bzw. Doxorubicin-Monotherapie) und in der Leiomyosarkom (LMS) Subpopulation (Median 21,6 vs. 21,9 Monate für Lartruvo® plus Doxorubicin bzw. Doxorubicin-Monotherapie) verfehlt. Bei wichtigen sekundären Endpunkten wurde ebenfalls kein klinischer Nutzen festgestellt. So erreichte das mittlere progressionsfreie Überleben in der Gesamtpopulation 5,42 Monate vs. 6,77 Monate für Olaratumumab plus Doxorubicin vs. Doxorubicin.

Die vorläufigen Studienergebnisse werden derzeit noch ausgewertet und vom Zulassungsinhaber überprüft. Bis die abschließende Auswertung der ANNOUNCE Studie vorliegt soll bei Patienten mit Weichteilsarkom keine neue Therapie mit Lartruvo® begonnen werden. Eine bereits begonnene Behandlung kann fortgesetzt werden, sofern der Patient klinisch davon profitiert. Neu Risikosignale wurden in der Studie nicht detektiert; das Sicherheitsprofil beider Studienarme war vergleichbar. Angehörige von Gesundheitsberufen sollen dennoch, wie üblich, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung melden, um eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels zu ermöglichen.

Quellen:

[2] Fachinformation Lartruvo®; Lilly; Januar 2018