Update zur Datenlage bezüglich des Fehlbildungsrisikos bei väterlicher Mycophenolatexposition in der Schwangerschaft

Donnerstag, den 14. Januar 2016

Wie im Oktober vergangenen Jahres berichtet, wurden sowohl die Warnhinweise zur Anwendung Mycophenolat-haltiger Präparate, als auch die Sicherheitsmaßnahmen für behandelte Frauen und Männer aufgrund des bestehenden Fehlbildungsrisikos verschärft.
Betreffend des teratogenen Risikos bei väterlicher Exposition in der Schwangerschaft informiert das Bundesinstitut für Arzneimittel in einem am 14. Januar 2016 veröffentlichten Sicherheitsupdate über die aktuelle Datenlage.

Das Immunsuppressivum Mycophenolatmofetil (z. B. enthalten in Cellcept®) wird zur Prophylaxe akuter Abstoßungsreaktionen bei organtransplantierten Patienten eingesetzt. Dass der Wirkstoff teratogene Eigenschaften besitzt und im Vergleich zu anderen Immunsuppressiva mit einer erhöhten Zahl an Spontanaborten und kongenitalen Missbildungen assoziiert ist, konnte bereits bestätigt werden.
In Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), wies der pharmazeutische Hersteller Roche daher über das teratogene Risiko, die Kontraindikation Schwangerschaft, und die damit verbundenen wichtigen Maßnahmen zur Schwangerschaftsprävention bereits im November 2015 mittels eines Rote-Hand-Briefes hin.

Mycophenolatmofetil soll in der Schwangerschaft nicht angewendet werden, außer es ist keine andere geeignete Behandlung zur Verhinderung einer Transplantatabstoßung verfügbar. Frauen im gebärfähigen Alter, die keine hochwirksamen Verhütungsmethoden anwenden oder bei denen vor Therapiebeginn kein negatives Ergebnis eines Schwangerschaftstest vorgelegt wird, dürfen ebenfalls nicht mit dem Immunsuppressivum behandelt werden.

Neben Informationen bezüglich den Verhütungsvorkehrungen bei Frauen (diese sollen simultan und über Therapieende hinaus mindestens zwei zuverlässige Verhütungsmethoden anwenden) und den durchzuführenden Schwangerschaftstests, wurde auch über die Anwendung bei männlichen mit Mycophenolatmofetil behandelten Patienten informiert. Männlichen, sexuell aktiven Patienten wird empfohlen bis zu 90 Tage nach Therapieende Kondome zu benutzen. Zudem sollten für den Zeitraum deren Sexualpartnerinnen auf eine effektive Verhütungsmethode achten. Weiterhin sollten betroffene Männer bis sechs Wochen nach der Einnahme von Mycophenolatmofetil kein Blut und bis 90 Tage danach kein Samen spenden. Diese Hinweise betreffen auch Männer mit Vasektomie, da die Risiken, die mit einer Übertragung von Samenflüssigkeit verbunden sind, auch für diese Patientengruppe bestehen könnten.

Den aktuellen Informationen des BfArM folgend, lässt sich die Frage, ob auch die Therapie des Vaters mit Mycophenolat-haltigen Arzneimitteln zu einem erhöhten Fehlbildungsrisiko in der Schwangerschaft führt aufgrund der derzeitigen Datenlage nicht sicher beantworten. Eine sehr begrenzte Anzahl von Daten deutet bisher nicht auf ein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen bzw. -geburten hin, jedoch wurde eine potentiell genotoxische (gen-verändernde) Wirkung des Wirkstoffes Mycophenolat sowohl in vitro, als auch in vivo nachgewiesen. Folglich kann ein teratogenes Risiko bei väterliche Exposition mit Mycophenolat (Mycophenolat mofetil und Mycophenolatsäure) in der Schwangerschaft weder nachgewiesen noch ausgeschlossen werden. Daher wird weiterhin die Einhaltung der bestehenden, oben beschriebenen Vorsichtsmaßnahmen empfohlen.

Quellen:
[1] Risikoinformation BfArM; 14. Januar 2016: Mycophenolat (z.B. CellCept®): Update zur Anwendung von mycophenolathaltigen Arzneimitteln in der Schwangerschaft bei väterlicher Exposition
[2] Rote-Hand-Brief CellCept®; 10. November 2015: Mycophenolatmofetil (CellCept®): Schwerwiegendes Risiko für Teratogenität – wichtige neue Hinweise zur Schwangerschaftsverhütung für Frauen und Männer
[3] Fachinformation CellCept® 500mg Filmtabletten; Roche; November 2015