Verschiedene orale Darreichungsformen von Noxafil® nicht ohne Dosisanpassung austauschbar

Freitag, den 24. Juni 2016

Nachdem bereits Anfang des Jahres durch die Amerikanische Zulassungsbehörde (FDA) eine Warnung ausgesprochen wurde (siehe Pharmakovigilanzmeldung vom 04. Januar 2016), weist nun die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) auf die Gefahr von Dosierungsfehlern bei dem Austausch verschiedener oraler Formulierungen von Posaconazol (Noxafil®) hin. 

Der Wirkstoff Posaconazol zählt zu den Azol-Antimykotika und wird bei verschiedenen schweren Mykosen, wie auch zu Prophylaxe dieser eingesetzt. In Deutschland stehen unter dem Handelsnamen Noxafil® neben einem Infusionskonzentrat auch Tabletten und Suspension zur oralen Verabreichung zur Verfügung. Diese unterscheiden sich bezüglich der empfohlenen Dosierung und der Häufigkeit der täglichen Einnahme. Außerdem werden mit den Tabletten im Normalfall höhere Plasmaspiegel erreicht, weshalb diese die bevorzugte Alternative darstellen. Eine weitere Abweichung der beiden Darreichungsformen besteht bei der Einnahme in Abhängigkeit von den Mahlzeiten. Während Noxafil® Tabletten unabhängig von der Nahrungsaufnahme verabreicht werden können, wird die Einnahme der Suspension unmittelbar nach einer Mahlzeit empfohlen, um die Wirkstoff-Aufnahme zu verbessern. 

Dadurch ist ein Wechsel von der einen zu der anderen Darreichungsform nicht ohne Anpassung des Dosisregimes möglich. Bei einigen Patienten, welche versehentlich die Suspension zum Einnehmen anstatt der Tabletten erhalten hatten, kam es zu Unterdosierungen, gefolgt von Wirkungsverlusten. Andererseits wurde auch von Überdosierung und daraus resultierenden Nebenwirkungen berichtet, bei Patienten welche Tabletten anstelle der flüssigen Darreichungsform einnahmen.

In den Fachinformationen beider Präparate wird bereits darauf hingewiesen, dass diese nicht abwechselnd zur Anwendung kommen dürfen. Dennoch sollen nun die Produktinformationen aktualisiert und die Warnung verstärkt werden. Um weitere unabsichtliche Verwechslungen zu vermeiden, werden zusätzlich die Umverpackungen der beiden Produkte angepasst; einerseits um diese leichter unterscheiden zu können, andererseits damit ein entsprechender Warnhinweis angebracht werden kann.

Mittels eines Briefes an das medizinische Fachpersonal sollen diese an das Problem erinnert werden. Verschreibende Ärzte sollten auf der Verordnung deutlich machen, welche Darreichungsform von Noxafil® benötigt wird und die Apotheken müssen sicherstellen, dass diese an die Patienten abgegeben wird. Patienten, die unsicher bezüglich ihrer Medikation sind, sollen sich an Arzt oder Apotheker wenden.

Quellen:

[1] Veröffentlichung EMA; 24. Juni 2016: EMA warns that Noxafil® tablets and oral suspension have different doses and are not interchangeable

[2] Fachinformation Noxafil® 100mg magensaftresistente Tabletten; Merck Sharp & Dohme; April 2014

[3] Fachinformation Noxafil® 40mg/Suspension zum Einnehmen; Merck Sharp & Dohme; September 2014