Zentraldämpfende Effekte als fatale Wechselwirkung – FDA verschärft Warnhinweise

Mittwoch, den 31. August 2016

Wie die amerikanische Zulassungsbehörde (FDA) berichtet werden immer häufiger Opioid-haltige Arzneimittel in Kombination mit Benzodiazepinen oder weiteren zentraldämpfenden Arzneimitteln angewandt. Dies bleibt laut Aussage der FDA nicht ohne Folge – schwerwiegende Nebenwirkungen, einschließlich verlangsamter oder erschwerter Atmung als auch Todesfälle sind möglich.
Die Erkenntnisse gehen zurück auf die Durchführung und Auswertung mehrerer Studien bezüglich der konkomitierenden Anwendung von Opioiden zusammen mit Benzodiazepinen bzw. zentraldämpfenden Arzneimitteln oder Alkohol und führen nun dazu, dass die FDA die amerikanischen Produktinformationen der jeweiligen Präparate um eine verstärkte Warnung, dem sog. „Boxed Warning“ ergänzen lässt.

Opioide, als verschreibungspflichtige Arzneimittel, werden im amerikanischen Raum, wie auch hierzulande als starkwirksame Analgetika oder Antitussiva breitflächig eingesetzt. Ihre Anwendung, insbesondere im Bereich der Schmerztherapie, ist jedoch auch von einigen schwerwiegenden Risiken, wie dem des Missbrauchs, der Abhängigkeit, Überdosierungen und Tod begleitet.
Bekannte Vertreter der Wirkstoffklasse sind u.a. die Analgetika Tilidin (Valoron N®), Hydromorphon (Palladon®), Oxycodon (Oxygesic®) und Fentanyl (Durogesic®) wie auch die Antitussiva Dihydrocodein (Paracodin®) oder Codein (Codicaps Mono®).
Ebenso häufig finden Benzodiazepine ihren therapeutischen Einsatz. Ihr Anwendungsgebiet erstreckt sich über die Behandlung von Angst- und Schlafstörungen bis hin zu Krampfleiden.
Sowohl Opioide als auch Benzodiazepine besitzen zentraldämpfende Wirkungen, die sich bei Kombination additiv verstärken und ggf. in einer schwerwiegenden, potentiell lebensbedrohlichen Atemdepression enden können.
Die FDA rät daher allen Ärzten eine gleichzeitige Therapie mit analgetischen Opioiden und Benzodiazepinen (oder anderen zentraldämpfenden Arzneimitteln) nur solchen Patienten vorzubehalten, für die es keine alternativen Behandlungsoptionen gibt oder die diese nicht anwenden können. Ist eine Coadministration unumgänglich, so sollten die Dosierungen als auch die Behandlungsdauer des jeweiligen Arzneimittels unter Gewährleistung einer medizinischen Wirksamkeit so niedrig bzw. kurz wie möglich gewählt werden.
Patienten, wie auch deren Betreuer, sollten über das Risiko und die Anzeichen einer Atemdepression bzw. Sedierung informiert werden. Was Opioid-haltige Antitussiva betrifft, so sollten diese nicht zusammen mit zentraldämpfenden Arzneimitteln, einschließlich Benzodiazepinen verschrieben werden. Auch von Alkohol ist strengstens abzuraten.
Patienten, welche bereits eine der genannten Kombinationen einnehmen, wie auch deren Betreuer, sollten sofort medizinische Hilfe aufsuchen, falls Symptome wie ungewohnte Schwindelgefühle, Benommenheit, extreme Müdigkeit, Atembeschwerden oder Teilnahmslosigkeit auftreten. Bei Fragen und Bedenken gegenüber der bestehenden Medikation sollten sich die betroffenen Patienten an ihren behandelnden Arzt oder Apotheker wenden. Weiterhin ruft die FDA dazu auf, jegliche unerwünschten Nebenwirkungen der zuständigen amerikanischen Behörde zu melden.

Der Sachverhalt der kombinierten Anwendung von Benzodiazepinen bzw. anderen, das zentrale Nervensystem dämpfenden Arzneimittel mit Therapeutika der sog. „Medication-Assisted Therapy (MAT)“, einer Behandlungsoption der Opioidsucht bzw.- abhängigkeit wird laut FDA weiter untersucht werden. Gleichwohl wird auf möglicherweise notwendige Änderungen der Produktinformationen weiterer ZNS-dämpfender Präparate geprüft werden. Im Falle neuer Erkenntnisse werden diese der Öffentlichkeit zeitnah kommuniziert.


Quellen:
[1] FDA Drug Safety Communication; 31. August 2016: FDA warns about serious risks and death when combining opioid pain or cough medicines with benzodiazepines; requires its strongest warning
[2] FDA Safety Information; 31. August 2016: Opioid Pain or Cough Medicines Combined With Benzodiazepines: Drug Safety Communication - FDA Requiring Boxed Warning About Serious Risks and Death