Rote-Hand-Brief Andexanet alfa: Warnung vor Anwendung zur Heparin-neutralisation

Dienstag, den 10. November 2020

Laut aktuellem Rote-Hand-Brief des pharmazeutischen Unternehmers Portola Netherlands in Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) und dem Paul-Ehrlich-Institut, soll die Anwendung von Ondexxya® (Andexanet alfa) vor einer Heparinisierung vermieden werden.

Andexanet alfa ist eine rekombinante Form des humanen Gerinnungsfaktors Xa (FXa), welches durch bestimmte Modifikationen so abgewandelt wurde, dass es selbst keinerlei antikoagulatorische Wirkung mehr besitzt und zudem die Wirkung von FXa-Inhibitoren spezifisch aufheben kann. Aufgrund dieser Eigenschaften wird Andexanet alfa bei erwachsenen Patienten eingesetzt, die mit einem direkten FXa-Inhibitor, wie Apixaban oder Rivaroxaban behandelt werden und aufgrund lebensbedrohlicher oder nicht kontrollierbarer Blutungen eine Aufhebung der Gerinnungshemmung benötigen.

Eine Anwendung von Ondexxya® zur Anti-FXa-Aufhebung vor einem dringenden chirurgischen Eingriff wurde allerdings nicht untersucht. Berichten zufolge führte Andexanet alfa, das off-label zur Aufhebung einer FXa-Antikoagulation vor einem chirurgischen Eingriff eingesetzt wurde, bei dem eine Gerinnungshemmung durch Heparin beabsichtigt war, zwar zum Verlust der Wirkung von Heparin, jedoch wurden weder Ausmaß noch Dauer dieser Wirkung untersucht.
Obwohl in-vitro-Daten auf eine Bindung von Andexanet alfa an den Heparin-Antithrombin-III (ATIII)-Komplex und eine Neutralisierung der gerinnungshemmenden Wirkung von Heparin hinweisen, soll die Anwendung von Ondexxya® vor einer Heparin-Gabe (z. B. während eines chirurgischen Eingriffs) vermieden werden. Die Verabreichung beider Arzneistoffe in kurzem Abstand zueinander kann Ergebnisse von Gerinnungstests verfälschen und es ist keine valide Überwachung der Wirkung von Andexanet alfa in Gegenwart von aktivem Heparin möglich.

Da Ondexxya® dem sogenannten Additional Monitoring, einer zusätzlichen Überwachung durch die Arzneimittelbehörden, unterliegt, sind Angehörige von Gesundheitsberufen insbesondere angehalten Nebenwirkungen bzw. entsprechende Verdachtsfälle im Zusammenhang mit einer Anwendung von Ondexxya® an den pharmazeutischen Unternehmer oder das Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel (Paul-Ehrlich-Institut) zu melden. Dies ermöglicht eine schnelle Identifizierung neuer Erkenntnisse über die Sicherheit des Arzneimittels.

Quellen:
[1] Rote-Hand-Brief Ondexxya® (Andexanet alfa) November 2020: Vermeiden Sie die Anwendung von Andexanet vor einer Heparinisierung.
[2] Fachinformation Ondexxya® 200 mg Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung; Portola Netherlands; Juli 2020.