Metamizol: Risiko für Leberschaden

Montag, den 21. Dezember 2020

Mittels Rote-Hand-Brief informieren die Zulassungsinhaber metamizolhaltiger Arzneimittel in Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) über Fälle eines arzneimittelbedingten Leberschadens unter der Behandlung mit Metamizol.

Metamizol ist ein nicht-opioides Pyrazolonderivat und weist schmerzlindernde, fiebersenkende und krampflösende Eigenschaften auf. Das Anwendungsgebiet umfasst die Gabe bei akuten starken Schmerzen nach Verletzungen oder Operationen, bei Koliken, Tumorschmerzen und sonstigen akuten oder chronischen starken Schmerzen sowie bei hohem Fieber, das auf andere Maßnahmen nicht anspricht.

Kürzlich festgestellte neue Informationen zu Leberschäden veranlassten eine weitreichende Überprüfung von Metamizol hinsichtlich der potenziellen Eigenschaft einen arzneimittelbedingten Leberschaden auszulösen. Dazu berücksichtigte der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) der EMA Informationen aus allen erhältlichen Quellen. Dazu gehören auch die Berichte über unerwünschte Arzneimittelwirkungen, sowie in wissenschaftlichen Quellen veröffentlichte Studien.
In einem aktuellen Rote-Hand-Brief wird vor dem Risiko für einen arzneimittelbedingten Leberschaden unter einer Metamizol-Behandlung gewarnt. Deshalb wird das medizinische Fachpersonal aufgefordert, Patienten, die Metamizol einnehmen, darüber zu informieren wie sie Frühsymptome erkennen können, die auf einen arzneimittelbedingten Leberschaden hinweisen. Sobald solche Symptome auftreten, sollen Patienten die Einnahme von Metamizol beenden und sich an einen Arzt wenden, der die Leberfunktion überprüft und überwacht. Falls bereits einmal unter der Therapie mit Metamizol ein Leberschaden aufgetreten ist, für den keine andere Ursache gefunden wurde, sollte keine erneute Gabe von Metamizol erfolgen.

Entsprechend dieser Empfehlungen werden die Fach- und Gebrauchsinformationen der metamizolhaltigen Präparate aktualisiert.

Der im Rote-Hand-Brief genannte arzneimittelinduzierter Leberschaden (drug induced liver injury, DILI) kann potenziell schwerwiegende Folgen haben. Dazu gehört auch ein akutes Leberversagen mit der Notwendigkeit zur Lebertransplantation.

Die Leberschäden zeigten vor allem ein hepatozelluläres Muster und traten wenige Tage bis Monate nach Beginn der Behandlung auf. Als Symptome traten erhöhte Leberenzymwerte im Serum mit oder ohne Ikterus, häufig im Zusammenhang mit anderen Arzneimittelüberempfindlichkeitsreaktionen auf. Dazu gehören unter anderem Hautausschlag, Blutbildveränderungen, Fieber und Eosinophilie. Auch können Merkmale einer Autoimmunhepatitis auftreten. Einige Patienten wiesen erneut eine geschädigte Leber auf, nachdem sie die Einnahme von Metamizol wieder aufgenommen hatten.

Der Pathomechanismus des durch Metamizol ausgelösten Leberschadens konnte bisher nicht eindeutig identifiziert werden. Allerdings ergeben sich aus verfügbaren Daten Hinweise, die auf einen immunallergischen Mechanismus hindeuten.

Das Auftreten der leberschädigenden Nebenwirkung wird aufgrund der nahezu 100-jährigen klinischen Erfahrung mit Metamizol und dem Ausmaß der Patientenexposition gegenüber dem Medikament derzeit auf sehr selten eingeschätzt. Eine genaue Berechnung zur Häufigkeit lässt sich zu dem jetzigen Stand jedoch nicht erheben.


Quelle:
[1] Rote-Hand-Brief Metamizol; 15. Dezember 2020: Risiko für arzneimittelbedingten Leberschaden