Rote-Hand-Brief Olaratumab

Mittwoch, den 15. Mai 2019

Olaratumab - Widerruf der Zulassung wegen negativer Phase-III-Studienergebnisse

Der pharmazeutische Unternehmer Lilly informiert in Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) und dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) aktuell via Rote Hand-Brief über den Widerruf der EU-Zulassung für sein Olaratumab-haltiges Medikament Lartruvo®.

Der monoklonale Antikörper richtet sich gegen den humanen Thrombozytenwachstumsfaktor-Rezeptor α (PDGFR α). Dieser wird sowohl auf den Tumorzellen als auch auf den Zellen des umgebenden Tumorstromas exprimiert und reguliert dort unter anderem das Tumorwachstum. Olaratumab verhindert die Bindung von Wachstumsfaktoren an PDGFRα, wodurch Teilung und Wachstum der PDGFR-tragenden Krebszelle unterbunden werden.

Lartruvo® wurde im November 2016 auf Basis vielversprechender Ergebnisse einer Phase-II-Studie vorläufig europaweit zur Behandlung erwachsener Patienten mit fortgeschrittenem Weichgewebesarkom zugelassen. Im Rahmen dieser Studie konnte die klinische Wirksamkeit von Olaratumab in Kombination mit dem Zytostatikum Doxorubicin im Vergleich zu einer Standartbehandlung, einer Doxorubicin-Monotherapie, zwar nachgewiesen werden, jedoch knüpfte die EMA die Zulassung  an die Auflage, die Ergebnisse der Phase-III-Studie nachzureichen, um den Nutzen und die Sicherheit des Arzneimittels zu bekräftigen. Bereits im Januar dieses Jahres - wir berichteten- wurden Ergebnisse der Phase-III-Studie ANNOUNCE veröffentlicht, wonach Olaratumab bei Patienten mit fortgeschrittenem oder metastasierten Weichteilsarkoms keinen Vorteil gegenüber der Standarttherapie erzielen konnte.

Die Auswertung der Ergebnisse haben nun gezeigt, dass der Antikörper in Kombination mit Doxorubicin nicht wirksamer ist als Doxorubicin allein. So wurden die primären Endpunkte bezüglich des verlängerten Überlebens in der Gesamtpopulation (Median 20,4 vs. 19,8 Monate für Lartruvo® plus Doxorubicin bzw. Doxorubicin-Monotherapie) und in der Leiomyosarkom (LMS) Subpopulation (Median 21,6 vs. 21,9 Monate für Lartruvo® plus Doxorubicin bzw. Doxorubicin-Monotherapie) verfehlt. Bei wichtigen sekundären Endpunkten konnte ebenfalls kein klinischer Nutzen festgestellt werden. So erreichte das mittlere progressionsfreie Überleben in der Gesamtpopulation 5,4 Monate vs. 6,8 Monate für Olaratumumab plus Doxorubicin vs. Doxorubicin.
Olaratumab hat demnach ein ungünstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis und Lartruvo® wird in wenigen Wochen nicht mehr erhältlich sein, heißt es in dem Rote-Hand-Brief.

Es dürfen keine neuen Patienten außerhalb klinischer Studien mit Lartruvo® behandelt werden, da das Arzneimittel mit dem Widerruf der Zulassung seine Verkehrsfähigkeit verliert. Für Patienten, die bereits eine Therapie mit Olaratumab begonnen haben, sollen andere Behandlungsmöglichkeiten in Betracht gezogen werden.



Quellen:
[1] Rote-Hand-Brief 06. Mai 2019: Lartruvo® (Olaratumab): Widerruf der EU-Zulassung wegen fehlender therapeutischer Wirksamkeit
[2] Rote-Hand-Brief 28. Januar 2019: LARTRUVO® (Olaratumab): Die Ergebnisse der beauflagten klinischen Phase 3 Studie, die nach der Zulassung durchgeführt wurde, bestätigen nicht die klinische Wirksamkeit von Olaratumab in der zugelassenen Indikation Weichteilsarkom
[2] Fachinformation Lartruvo®; Lilly; Januar 2018