Rote-Hand-Brief: Indikationseinschränkung für Ranitidin

Freitag, den 15. November 2019

Mittels Rote-Hand-Brief informieren die Zulassungsinhaber STADApharm und ALIUD PHARMA in Abstimmung mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), den Regierungspräsidien Tübingen und Darmstadt, über Maßnahmen zur Vermeidung von Risiken durch eine hochdosierte Langzeittherapie mit ihren vermarkteten Ranitidin-Präparaten.

Nach dem Valsartan-Skandal werden zurzeit weltweit auch andere Arzneimittel vorsorglich durch die Gesundheitsbehörden auf Nitrosamine untersucht. In diesem Zusammenhang wurden zuletzt auch in ranitidinhaltigen Arzneimitteln geringe Mengen von N-Nitrosodimethylamin (NDMA) nachgewiesen. NDMA ist von der Internationalen Agentur für Krebsforschung der WHO und der EU als potentiell krebserregend beim Menschen eingestuft worden. Momentan ist von keinem akuten Patientenrisiko durch die gefundenen Verunreinigungen auszugehen. 

Auf Grund dieser potentiellen Verunreinigungen wurden bereits zahlreiche Ranitidin-Präparate vorsorglich zurückgerufen. Zwei pharmazeutische Unternehmer ergreifen jetzt, nach entsprechenden NMDA-Gehaltsbestimmungen, andere Maßnahmen und informieren über eine Einschränkung der Indikation für ihre noch auf dem Markt befindlichen Arzneimittel Ranitidin AL 150 und Ranitidin AL 300 sowie Ranitidin STADA 150 mg und Ranitidin STADA 300 mg.

Aus toxikologischer, leitliniengemäßer Sicht ist auch bei einer Therapiedauer von bis zu zehn Jahren eine tägliche Einnahme von 643 ng NDMA akzeptabel. Bei den üblichen Anwendungen von Ranitidin zur Behandlung von Duodenalulcera, benignen Magenulcera und Refluxösophagitis wird bei Einhaltung der Dosierungsangaben der Tagesgrenzwert von NDMA unter Anwendung besagter Präparate von Stada und Aliud nicht überschritten.
Bei der Therapie des Zollinger-Ellison-Syndroms werden jedoch Tagesdosen von 900 mg Ranitidin oder höher empfohlen. So dass, unter Annahme einer lebenslangen Therapie, bei dieser Dosierung die akzeptable Aufnahmemenge von 96 ng NDMA pro Tag überschritten werden.
Daher weisen die Zulassungsinhaber darauf hin, dass die genannten Präparate nicht weiter zur Therapie des Zollinger-Ellison-Syndroms eingesetzt werden sollen, auch wenn das Anwendungsgebiet derzeit noch in den Fach- und Gebrauchsinformation enthalten ist. Neu verpackte Chargen werden die Indikation Zollinger-Ellison-Syndrom, solange die hierfür erforderlichen NDMA-Grenzwerte nicht eingehalten werden können, nicht mehr ausweisen.

Quellen:
[1] Rote-Hand-Brief Ranitidin; 08. November 2019: Ranitidin: Maßnahmen zur Vermeidung von Risiken durch hochdosierte Langzeitbehandlung
[2] Veröffentlichung (Risikoinformationen) BfArM; 17. September 2019 Ranitidin: Rückruf von ranitidinhaltigen Arzneimitteln