Schwere Leberschäden unter Tocilizumab - Rote-Hand-Brief

Mittwoch, den 26. Juni 2019

Mittels Rote-Hand-Brief informiert der pharmazeutische Unternehmer Roche aktuell in Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) und dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) über neue Sicherheitshinweise zur Anwendung des Arzneimittels RoActemra®.

RoActemra® enthält den monoklonalen Antikörper Tocilizumab, welcher gegen Interleukin-(IL)-6-Rezeptoren gerichtet ist und so als Immunsuppressivum in den Indikationen rheumatoide Arthritis (RA), Riesenzellarteriitis (RZA) bei Erwachsenen, systemischer juveniler idiopathischer Arthritis (sJIA) und polyartikulärer juveniler idiopathischer Arthritis (pJIA) bei pädiatrischen Patienten ab zwei Jahren und älter, Einsatz findet.

Wie in den Produktinformationen des Präparates ausgewiesen, kann es unter der Anwendung einer Therapie mit Tocilizumab zu einer vorübergehenden oder intermittierenden leichten bis mäßigen Erhöhung der Transaminasen kommen. Ein häufigeres Auftreten dieser Erhöhungen wurde insbesondere dann beobachtet, wenn gleichzeitig weitere Arzneimittel mit potenziell leberschädigenden Effekten (z. B. Methotrexat) angewandt wurden.

Wie Roche nun verlauten lässt, wurden bei Patienten unter Tocilizumab weltweit bis dato über acht Fälle von arzneimittelinduzierten Leberschäden mittelschweren bis schweren Ausmaßes, einschließlich Leberversagen, Hepatitis und Gelbsucht berichtet. In zwei Fällen war sogar eine Lebertransplantation aufgrund des eintretenden akuten Leberversagens von Nöten. Die Ereignisse traten zwischen zwei Wochen und mehr als fünf Jahre nach Therapiebeginn (mit einer medianen Latenzzeit von 98 Tagen) auf. Generell, wird auf Basis klinischer Studiendaten, das Risiko für diese schwerwiegenden Leberschäden als selten angesehen, und das Nutzen-Risiko-Profil von Tocilizumab nach wie vor als positiv eingestuft, allerdings sei auf neue wie auch bereits bestehende Handlungsempfehlungen und Vorsichtsmaßnahmen hingewiesen.

Ärzte sollten ihre Patienten anweisen, sofort ärztliche Hilfe aufzusuchen, wenn Anzeichen und Symptome einer Leberschädigung unter RoActemra® auftreten. Ab sofort sollte bei Patienten mit RA, RZA, pJIA oder SJIA zudem eine regelmäßige Überwachung der ALT- und AST-Werte stattfinden. In den ersten sechs Monaten der Behandlung wird hier eine Überprüfung alle vier bis acht Wochen und anschließend alle 12 Wochen empfohlen. Weiterhin, wie bereits in den derzeit genehmigten Fachinformationen vermerkt, wird dazu geraten von einer Therapie mit RoActemra® abzusehen, sofern bei Patienten ALT- oder AST-Werte oberhalb des 5-fachen des Normalwertes (ULN) vorliegen. Bei ALT- oder AST-Werte oberhalb des 1,5-fachen des Normalwertes, ist bei einem Therapiebeginn Vorsicht geboten. Treten Leberwertveränderungen während der Behandlung auf, so kann eine Dosisanpassung, eine Dosisunterbrechung oder ein Absetzen der Therapie erforderlich werden. Die Details hierzu können den entsprechenden Produktinformationen entnommen werden.

Der pharmazeutische Unternehmer weist weiterhin darauf hin, dass die Änderungen nicht für die Indikation zur Behandlung des Cytokin-Release-Syndroms gelten.

Quellen:
[1] Rote-Hand-Brief RoActemra® (Tocilizumab); 26. Juni 2019: RoActemra® (Tocilizumab) - Information über ein seltenes Risiko: Schwere Leberschädigung einschließlich akutem Leberversagen, welches eine Transplantation erfordert
[2] Fachinformation RoActemra® i. v.; Roche Registration; Januar 2019