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Erstes neues antivirale Influenza-Mittel seit fast 20 Jahren auf dem Markt

11. März 2021
arzneimittel-neueinfuehrung
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Mit Xofluza® bringt der pharmazeutische Hersteller Roche eine neue Alternative zur Behandlung der Influenza auf den deutschen Markt. Neben dem innovativen Wirkmechanismus bietet Xofluza® weitere Besonderheiten. 

Bereits vor zwei Jahren wurde Xofluza® mit dem neuen Wirkstoff Baloxavir marboxil von der amerikanischen Zulassungsbehörde (FDA) zugelassen und hat im Januar 2021 auch von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) eine Zulassung erhalten. Neben der unkomplizierten Influenza liegt das Anwendungsgebiet in der Postexpositions-Prophylaxe einer Influenza. Die Anwendung in beiden Indikationen kann bereits ab einem Kindesalter von 12 Jahren erfolgen.

Die echte Grippe gehört zu den häufigsten und dennoch schwerwiegendsten Infektionskrankheiten. Weltweit führen saisonale Influenza-Epidemien jährlich zu drei bis fünf Millionen Fällen schwerer Krankheiten, Millionen von Krankenhausaufenthalten und bis zu 650.000 Todesfällen. Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben influenzabedingt jedes Jahr bis zu 72.000 Menschen in Europa. 

Im Gegensatz zu den bislang in Deutschland verfügbaren Influenza-Wirkstoffen Oseltamivir (Tamiflu®) und Zanamivir (Relenza®) verfügt Baloxavir über einen neuen Wirkmechanismus: Anders als die beiden Neuraminidase-Hemmer hemmt Baloxavir die für die Virusreplikation essentielle CAP-abhängige Endonuklease (CEN). Dabei handelt es sich um ein Influenzavirus-spezifisches Enzym in der sauren Polymeraseeinheit (PA) des viralen RNA-Polymerase-Komplexes. Folglich wird die Transkription von Influenzavirus-Genomen gehemmt, was wiederum die Ausbreitung der Grippeviren stoppt und somit dazu beiträgt, die Zeit bis zur Erholung der Symptome zu verkürzen. In Xofluza® liegt der CEN-Hemmer als Prodrug Baloxavir marboxil vor, welches durch Hydrolyse in die aktive Form Baloxavir umgewandelt wird. Eine in-vitro-Aktivität gegen einige Oseltamivir-resistente Influenzaviren (z.B. (H7N9, H5N1) konnten in nicht-klinischen Studien nachgewiesen werden. 

Neben dem innovativen Wirkmechanismus stellt die einmalige Einnahme eine weitere Besonderheit von Xofluza® dar. Es genügt eine Einmaldosis Baloxavir marboxil  von 40 mg (bei einem Körpergewicht von < 80 kg)  oder 80 mg (>/= 80 kg) in Form von Tabletten, welches zur Virusgrippebehandlung baldmöglichst innerhalb von 48 Stunden nach Symptombeginn einzunehmen ist. Zur Vorbeugung einer Grippe nach Exposition sollte die Einnahme ebenfalls so schnell wie möglich innerhalb von 48 Stunden nach engem Kontakt mit einer Person mit bestätigter oder vermuteter Influenza erfolgen. 

Die Wirksamkeit und Sicherheit einer Einmaldosis Xofluza® für die Behandlung der unkomplizierten Influenza

wurde in zwei Phase-3-Studien untersucht: CAPSTONE-1 und CAPSTONE-2. Die antivirale Substanz wurde dabei bei ansonsten gesunden Personen ab 12 Jahren (CAPSTONE-1 mit 1.436 Teilnehmern) sowie bei Risikopatienten hinsichtlich Komplikationen ebenfalls ab einem Alter von 12 Jahren (CAPSTONE-2 mit 2.184 Teilnehmern) gegen Placebo oder gegen die bisherige Standardtherapie Oseltamivir verglichen. Zu den Risikopatienten in CAPSTONE-2 gehörten u. a. Erwachsene ab 65 Jahren oder Personen mit Erkrankungen wie Asthma, chronischer Lungenerkrankung, Adipositas oder Herzerkrankungen. Die primären Endpunkte der CAPSTONE-Studien stellten die Zeit bis zum Abklingen der Symptome bei CAPSTONE-1 (time to alleviation of symptoms – TTAS) bzw. bis zur Verbesserung der Symptome (time to improvement of symptoms – TTIS) bei CAPSTONE-2 dar. Zu den betrachteten Symptomen zählten Husten, Halsschmerzen, Kopfschmerzen, verstopfte Nase, Fieber oder Schüttelfrost, Gelenk- oder Muskelschmerzen und Müdigkeit. In beiden Patientenpopulationen zeigte Baloxavir marboxil eine signifikante Verbesserung gegenüber Placebo. So wurde bei CAPSTONE-1 eine signifikante Reduktion der TTAS um mehr als einen Tag (Medianzeit 53,7 Stunden gegenüber 80,2 Stunden) und bei CAPSTONE-2 eine TTIS von 73,2 Stunden im Vergleich zu 102,3 Stunden unter Placebo erreicht. In beiden Studien wurden ähnliche Wirksamkeitsergebnisse zwischen Xofluza® und Oseltamivir beobachtet.

In der placebokontrollierten Studie zur Postexpositionsprophylaxe (BLOCKSTONE), in der die präventive Einnahme einer Einzeldosis von Xofluza® bei Haushaltskontakten von Influenza-Patienten untersucht wurde, stellte die Rate der im Labor bestätigten klinischen Influenza während eines Zeitraums von zehn Tagen nach der Behandlung den primären Endpunkt dar. Die Wahrscheinlichkeit, nach Kontakt mit einem Influenza-Infizierten selbst an Influenza zu erkranken, reduzierte sich mit Xofluza® signifikant um 90%. Der Anteil der Haushaltsmitglieder ab 12 Jahren, die eine im Labor bestätigte klinische Influenza entwickelten, betrug 1,3% bei den mit Xofluza® behandelten Teilnehmern und 13,2% in der mit Placebo behandelten Gruppe.

Aktuell läuft die Untersuchung von Xofluza® in einem Phase-III-Entwicklungsprogramm bei Kindern unter einem Jahr. Des Weiteren wird das Potenzial zur Verringerung der Grippevirenübertragung von einer infizierten Person auf gesunde Menschen bewertet.

 

Quellen:

[1] Produktinformation (EMA) Xofluza®; Roche; Januar 2021

[2] Pressemitteilung Roche; 11. Januar 2021: Roche’s Xofluza® approved by the European Commission for the treatment of influenza, the first new influenza antiviral for patients in almost 20 years

[3] Veröffentlichung Website roche.com; Products: Xofluza® (baloxavir marboxil) (zugegriffen am 11. Februar 2021)

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