Neu: topisches Finasterid bei Haarausfall

Das neue Finasterid-Präparat zur topischen Anwendung, Fynzur® von Laboratoires Bailleul, ist ab 1.12.2022 verfügbar.

Androgenetische Alopezie (AGA, männlicher Haarausfall) betrifft mehr als die Hälfte aller Männer unter 50 Jahren und kann einen beträchtlichen Einfluss auf die Lebensqualität der Patienten haben. Männer, die prädisponiert für AGA sind, besitzen verkleinerte Haarfollikel und eine erhöhte Umwandlungsrate von Testosteron zu Dihydrotestosteron (DHT) innerhalb der Follikel. In diesen Umwandlungs-Prozess ist das Enzym Typ-II-5α-Reduktase involviert.  

Das neu zugelassene Arzneimittel Fynzur® enthält den bereits bekannten Wirkstoff Finasterid, ein synthetisches Antiandrogen, das die Typ-II-5α-Reduktase inhibiert. Finasterid hemmt somit einen Vorgang, der für die Verkleinerung der Haarfollikel der Kopfhaut verantwortlich ist, was zur Rückbildung des glatzenbildenden Prozesses führen kann. Bisher war der Wirkstoff nur in peroralen Darreichungsformen erhältlich, mit Fynzur® steht jetzt ein Präparat zur topischen Anwendung zur Verfügung. 

Obwohl orales Finasterid im Allgemeinen gut verträglich ist, wurde es bei einigen Patienten mit unerwünschten Wirkungen wie Erektionsstörungen, verminderter Libido oder einem erhöhten Risiko für Depressionen in Verbindung gebracht. Dies veranlasste das BfArM im Jahr 2018 zur Veröffentlichung eines Rote-Hand-Briefes, in dem die möglichen Nebenwirkungen von Finasterid explizit thematisiert wurden. Topisch angewendetes Finasterid hat das Potential, diese systemischen Nebenwirkungen zu reduzieren.  

Die Wirksamkeit und Sicherheit von Fynzur® wurde in einer multizentrischen, doppelblinden, randomisierten, kontrollierten Double-Dummy-Phase-III-Studie bei erwachsenen männlichen Patienten mit androgenetischer Alopezie gegenüber Placebo oder oralem Finasterid beurteilt. Die Patienten wurden einmal täglich für die Dauer von 24 Wochen behandelt. Topisch appliziertes Finasterid zeigte hierbei eine moderate klinische Wirksamkeit, die dem Placebo überlegen und mit der von oralem Finasterid vergleichbar war. Dieses Resultat konnte mit einer deutlich niedrigeren systemischen Finasterid-Exposition und einem geringeren Einfluss auf die Serum-DHT-Spiegel erreicht werden. Topisches Finasterid wurde gut vertragen. Die häufigsten unerwünschten Arzneimittelwirkungen, die in dieser Studie beobachtet wurden, waren Pruritus (2,2 %, 0,6 % bzw. 1,2 % bei Gabe von topischem Finasterid, Placebo bzw. oralem Finasterid), Erythem (2,2 %, 0 % bzw. 0 %) sowie Libidoverringerung bzw. -verlust (0,6 %, 2,8 % bzw. 4,8 %). Aus diesen Studienergebnissen wurde geschlussfolgert, dass Finasterid zur Anwendung auf der Haut für viele Patienten eine sinnvolle Therapieoption bei androgenetischer Alopezie sein kann.  

Fynzur® ist als Spray zur Anwendung auf der Kopfhaut im Handel und wird einmal täglich auf die kahlen Stellen der Kopfhaut appliziert. Je nach Größe der kahlen Stellen können 1 bis 4 sich nicht überlappende Sprühstöße (50 bis 200 Mikroliter) angewendet werden. Jeder Sprühstoß enthält dabei 114 Mikrogramm Finasterid. 

 

Quellen: 

[1] Fachinformation Fynzur® für Männer 2,275 mg/ml Spray zur Anwendung auf der Haut; Laboratoires Bailleul; Juli 2022 

[2] Piraccini B.M. et al. Efficacy and safety of topical finasteride spray solution for male androgenetic alopecia: a phase III, randomized, controlled clinical trial. JEADV 2022, 36: 286–294 

[3] Rote-Hand-Brief Finasterid; 05. Juli 2018; Mögliche Risiken bei der Anwendung finasteridhaltiger Arzneimittel (1 mg und 5 mg Dosierung) sowie Empfehlungen zur Aufklärung Ihrer Patienten 

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