Tryngolza® wurde als erstes Arzneimittel speziell für das genetisch bestätigte familiäre Chylomikronämie- Syndrom zugelassen.
Das familiäre Chylomikronämie-Syndrom (FCS) ist eine seltene (circa eine Erkrankung pro 1 Million Einwohner) genetische rezessiv vererbbare Form der schweren Hypertriglyceridämie. Bei dieser Fettstoffwechselerkrankung kommt es durch eine verminderte oder fehlende Aktivität der Lipoproteinlipase zu einer Ansammlung von Chylomikronen und Triglyceriden im Blut (Triglyceridspiegel von über 885 mg/dl). Dadurch zeigt der Patient verschiedenste Symptome wie Lipämie der Netzhaut, neurologische Symptome, Hepatosplenomegalie, Xanthomen und im schlimmsten Fall eine (lebensbedrohliche oder chronische) Pankreatitis. FCS-Patienten haben ein 360-fach erhöhtes Risiko an einer akuten Pankreatitis zu erkranken als normolipämische Patienten.
Mit Tryngolza® wurde nun erstmals ein gezielt wirkendes Antisense-Oligonukleotid zur Therapie des FCS zugelassen. Der wirksame Bestandteil Olezarsen bindet selektiv die Apolipoprotein C-III (ApoC-III) mRNA und vermittelt deren Spaltung durch Ribonuklease H1. Die daraus resultierende Senkung des ApoC-III-Proteins reduziert die Triglyceridkonzentration im Blut. Untersuchungen legen nahe, dass ApoC-III sowohl den Abbau von Triglyceriden als auch die hepatische Clearance von Chylomikronen und anderen triglyceridreichen Lipoproteinen beeinflusst.
Die Zulassung des Arzneimittels basiert auf der multizentrischen, randomisierten, placebokontrollierten Phase-III-Studie "Balance" mit 66 erwachsenen FCS-Patienten. Nach sechs (bzw. 12) Monaten zeigte sich in der Patientengruppe, die mit 80 mg Tryngolza® behandelt wurde, eine durchschnittliche Reduktion der Triglyceridkonzentration im Blut um 32% (bzw. 39%). Im Gegensatz dazu kam es bei den Teilnehmenden, die ein Placebo erhielten, im Schnitt zu einem Anstieg der Triglyceridwerte um 12% (bzw. 21%). Auch ApoC-III, ApoB-48 und Nicht-HDL-C sanken deutlich. Darüber hinaus erkrankten deutlich weniger Patientinnen und Patienten aus der Tryngolza® -Gruppe (ein Patient zeigte ein Ereignis) an akuter Pankreatitis als in der Placebo-Gruppe (11 Ereignisse bei sieben Patienten). Alle Probandinnen und Probanden hielten sich während des Studienzeitraums zusätzlich an einen vorgegebenen Ernährungsplan.
Aufgrund des oben genannten Nutzens, wie auch insbesondere, weil Tryngolza® offenbar keinen Einfluss auf die Thrombozytenkonzentration im Blut hat, wurde das Sicherheitsprofil insgesamt als positiv bewertet. Die häufigsten Nebenwirkungen während einer Behandlung mit Olezarsen sind Erytheme an der Injektionsstelle, Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen und Erbrechen.
Ergänzend zu einer Diät wird Tryngolza® als subkutane Injektion mittels Einweg-Fertigpen zu je 80 mg Olezarsen einmal monatlich verabreicht und bietet damit eine praktikable und wirksame Option zur Triglyceridsenkung und zur Reduktion pankreatischer Ereignisse – ein bedeutender Fortschritt in der Behandlung dieser seltenen Lipidstoffwechselstörung.
Quellen:
[1] Veröffentlichung Website tryngolza.com (zugegriffen am 26. November 2025)
[2] Veröffentlichung (Medicine Overview) EMA; 17. Oktober 2025: : Tryngolza®(Olezarsen)
[3] Produktinformation (EMA) Tryngolza 80 mg Injektionslösung im Fertigpen; Ionis Ireland Limited; Oktober 2025
[4] Veröffentlichung Website sobi.com: Patientenbroschuere ueberarbeitet (zugegriffen am 27.11. 2025)
[5 Veröffentlichung Website spotlightfcs.com: FactSheet Chylomikronamie_final (zugegriffen am 27.11.2025)