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Kardiale Neben­wirkungen durch Galantamin

Heart - Medical - Concept
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Fach- und Gebrauchsinformationen von Präparaten, die den Wirkstoff Galantamin enthalten, müssen künftig zusätzliche Warnhinweise zu einer möglichen QTc-Verlängerung sowie Torsade de Pointes enthalten. 

 

Der Wirkstoff Galantamin wird zur Behandlung der Alzheimer-Demenz eingesetzt. Galantamin ist ein Inhibitor der Acetylcholinesterase und verstärkt zusätzlich die intrinsische Aktivität von Acetylcholin an nicotinergen Rezeptoren. Hierdurch kann bei den Patienten eine gesteigerte Aktivität des cholinergen Systems verbunden mit einer Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten erzielt werden.

Aufgrund seiner pharmakologischen Wirkungen kann die Anwendung von Galantamin zu Bradykardie und einer Blockade des atrioventrikulären Knotens führen.

Wegen Spontanberichten und Fallberichten aus der Literatur zu Fällen von QTc-Verlängerung und Torsade de Pointes im Zusammenhang mit der Anwendung von Galantamin sowie den Kenntnissen zu dessen Überdosierung und cholinergen Mechanismus, wurde durch den Ausschuss für Risikobewertung im Bereich Pharmakovigilanz (PRAC) der europäischen Arzneimittelagentur (EMA) ein PSUR Single Assessment (PSUSA)-Verfahren nach Artikel 107d - g der Richtlinie 2001/83/EG eingeleitet und daraufhin vom PRAC eine Anpassung der Produktinformationen Galantamin-haltiger Arzneimittel empfohlen.

Die Koordinierungsgruppe für Verfahren der gegenseitigen Anerkennung und Dezentrale Verfahren (CMDh) bestätigte diese Auffassung und fasste hierzu am 12.11.2020 einen einstimmigen Beschluss. Dieser wurde schließlich am 29.4.2021 vom Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf nationaler Ebene umgesetzt.

In den entsprechenden Fachinformationen sind daher sowohl Hinweise über berichtete Fälle von QTc-Verlängerungen (bei der Gabe therapeutischer Dosen) sowie Fälle von Torsade de Pointes (bei Überdosierungen) zu ergänzen. Weiterhin finden sich künftig auch Hinweise zur Vorsicht bei der Anwendung von Galantamin bei Patienten mit bestehender Verlängerung des QTc-Intervalls, bei Patienten, die mit Arzneimitteln behandelt werden, die das QTc-Intervall beeinflussen, oder bei Patienten mit relevanten vorbestehenden Herzerkrankungen oder Elektrolytstörungen.

In den Gebrauchsinformationen ist durch die Zulassungsinhaber zu ergänzen, dass ein bestehendes verlängertes QTc-Intervall - falls bekannt - dem verschreibenden Arzt zu melden ist. Außerdem ist ein Hinweis auf verstärkte Nebenwirkungen im Zusammenhang mit Arzneimitteln, die das QTc-Intervall beeinflussen, einzufügen.

 

 

Quellen:
[1] Bescheid BfArM; 29. April 2021: Umsetzung des einstimmigen Beschlusses der Koordinierungsgruppe EMA/CMDh/579278/2020 vom 12.11.2020 betreffend die Zulassungen für Humanarzneimittel mit dem Wirkstoff „Galantamin“
[2] Veröffentlichung (Position of the Co-ordination Group for Mutual Recognition and Decentralised Procedures for human use on Periodic Safety Update Reports for); CMDh; 12. November 2020: Active substance(s): galantamine
[3] Fachinformation Galantamin-ratiopharm® 8 mg/16 mg/24 mg Hartkapseln, retardiert; Ratiopharm; Februar 2021
[4] AkdÄ Drug Safety Mail 2021-31; 31. Mai 2021: Änderung der Produktinformation von Galantamin-haltigen Arzneimitteln: QTc-Verlängerung

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