Rote-Hand-Brief: Daratumumab

Freitag, den 21. Juni 2019

Hepatitis-B-Virus-Reaktivierung unter Daratumumab

Seit dem Jahre 2016 steht für die Therapie erwachsener Patienten mit multiplem Myelom das Arzneimittel Darzalex® (Daratumumab) als Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung zur Verfügung.
Mittels Rote-Hand-Brief lässt der pharmazeutische Unternehmer Janssen-Cilag nun in Abstimmung mit dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) und der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) neue Sicherheitserkenntnisse verlauten.

Es wird bekannt gegeben, dass in einer kürzlich durchgeführten kumulativen Datenauswertung aus klinischen Studien und Spontanmeldungen Fälle von Hepatitis-B-Virus-(HBV)-Reaktivierung identifiziert wurden.
Fast alle dieser Reaktivierungen traten in den ersten sechs Monaten nach Therapiebeginn mit Darzalex® auf, wobei die Mehrzahl dieser Fälle nicht als schwerwiegend eingestuft wurde, jedoch aber auch tödliche Verläufe zu verzeichnen waren. Die Therapie mit dem monoklonalen Antikörper wurde bei einigen der Betroffenen nach antiviraler Behandlung der HBV-Reaktivierung wiederaufgenommen.
Als Risikofaktoren für eine Reaktivierung werden folgende gezählt: frühere autologe Stammzelltransplantation (ASCT), gleichzeitige und / oder frühere immunsuppressive Therapien wie auch Patienten, die in Gebieten mit hoher HBV-Prävalenz leben oder aus diesen eingewandert sind.

Nachdem bei Patienten mit multiplem Myelom generell eine Immunsuppression vorliegt, ist die Rolle von Darzalex® im Zusammenhang mit den berichteten HBV-Reaktivierungen unklar, zumal in einigen Fällen eine Co-Medikation mit Arzneimitteln, die mit einer Virus-Reaktivierung in Verbindung gebracht werden, erfolgte.
Da ein Zusammenhang zwischen Daratumumab und einer Reaktivierung aber nicht ausgeschlossen werden kann, werden folgende Maßnahmen vom pharmazeutischen Unternehmer und den Behörden empfohlen:
Vor Einleitung einer Therapie mit Darzalex® gilt es bei allen Patienten den HBV-Status zu bestimmen. Auch Patienten, die bereits Darzalex® erhalten, deren HBV-Status aber unbekannt ist, sollten auf das Vorliegen von HBV hin untersucht werden. Weisen Patienten eine positive HBV-Serologie auf, so sollte während der Behandlung sowie für mindestens sechs Monate nach Therapieende mit Daratumumab eine Kontrolle auf klinische Anzeichen und Laborparameter, die eine HBV-Reaktivierung andeuten, durchgeführt werden. Sofern klinisch erforderlich, sollten Experten für die Behandlung der Virus-Reaktivierung zu Rate gezogen werden.
Entwickelt sich eine HBV-Serologie unter der Behandlung mit Darzalex®, so soll die Anwendung bei den Betroffenen unterbrochen und Spezialisten für die Therapie von HBV-Infektion hinzugezogen werden.
Die Wiederaufnahme einer Behandlung mit Daratumumab bei Patienten, deren HBV-Reaktivierung unter angemessener Kontrolle ist, soll mit Ärzten, die in der Behandlung von Hepatitis-B erfahren sind, diskutiert werden.

Sämtliche genannte Maßnahmen und Informationen werden auch ebenfalls in die Produktinformationen von Darzalex® aufgenommen.

Quellen:
[1] Rote-Hand-Brief Darzalex® Daratumumab; 17. Juni 2019: Wichtige Arzneimittelinformation Darzalex® (Daratumumab): Risiko der Reaktivierung von Hepatitis B
[2] Fachinformation Darzalex® 20 mg/ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung; Janssen-Cilag; Dezember 2018.