Doppelte Zulassung für Tremelimumab

Krebszellen
Krebszellen

Tremelimumab für Erstlinienbehandlung des hepatozellulären Karzinoms und des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms zugelassen. 

Lungenkrebs stellt weltweit die häufigste krebsbedingte Todesursache dar. Zu den zwei Hauptarten zählen das kleinzellige Lungenkarzinom (SCLC) und das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom (NSCLC), wobei letzteres einen Anteil von über 80% ausmacht. Im Jahr 2020 war Leberkrebs die dritthäufigste Ursache aller krebsbedingten Sterbefälle. Das hepatozelluläre Karzinom (HCC) gehört dabei zu der häufigsten Form. Zwischen 80 und 90% der HCC-Fälle entwickeln sich als Folge einer Zirrhose, die meist durch eine Infektion mit Hepatitis-B- oder -C-Viren verursacht wird. 

Für NSCLC und HCC steht nun eine neue Therapieoption für die betroffenen Patienten zur Verfügung. Tremelimumab von AstraZeneca kommt in Form von zwei gleich dosierten Präparaten (Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung mit 20 mg/ml) in den Handel. Da es sich bei HCC um eine „seltene Erkrankung“ handelt, konnte das Präparat mit Handelsnamen Imjudo® im Orphan Drug Status zugelassen werden und ist bei Erwachsenen zur Erstlinienbehandlung des fortgeschrittenen oder nicht resezierbaren hepatozellulären Karzinoms indiziert. „Tremelimumab AstraZeneca“ (ohne eigenen Handelsnamen) erhielt eine reguläre Zulassung für NSCLC und ist bei Erwachsenen zur Erstlinienbehandlung des metastasierten nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms ohne sensibilisierende EGFR-Mutationen oder ALK-positive Mutationen angezeigt. In beiden Indikationen soll Tremelimumab mit dem PD-L1-Inhibitor Durvalumab (Imfinzi®) kombiniert werden. Bei NSCLC erfolgt zusätzlich die Gabe einer platinbasierten Chemotherapie. 

Bei dem Wirkstoff Tremelimumab handelt es sich um einen humanen monoklonalen Antikörper. Dieser bindet und blockiert CTLA-4, welches an der Oberfläche von T-Lymphozyten exprimiert wird. Dieses Protein kontrolliert normalerweise die Aktivität von T-Zellen. Durch dessen Blockade kommt es zu einer verstärkten Aktivierung und Proliferation von T-Zellen. Durch die erreichte gesteigerte Diversität der T-Zellen und der verstärkten Anti-Tumoraktivität, soll die Ausbreitung des Krebses verlangsamt werden. Die duale Therapie mit dem PD-L1-Inhibitor Durvalumab soll durch synergistische Effekte zu einer verbesserten Anti-Tumor-Antwort beitragen.  

Wirksamkeit und Sicherheit von Tremelimumab konnte in den beiden Hauptstudien HIMALAYA (Behandlung von HCC) und POSEIDON (Behandlung von NSCLC) gezeigt werden. Bei NSCLC konnte mit Tremelimumab (plus Durvalumab und platinbasierter Chemotherapie) eine statistisch signifikante Verbesserung des Gesamtüberlebens (OS) und eine statistisch signifikante Verbesserung des progressionsfreien Überlebens (PFS) im Vergleich zu einer alleinigen platinbasierten Chemotherapie erzielt werden. Auch bei HCC zeigte sich mit der Kombination aus Tremelimumab und Durvalumab eine statistisch signifikante Verbesserung des Gesamtüberlebens im Vergleich zu Sorafenib. 

Die häufigsten berichteten Nebenwirkungen für beide Arzneimittel umfassten u.a. Hautausschlag, Juckreiz, Durchfall, Bauchschmerzen, Übelkeit, Fatigue, erhöhte Leberenzymwerte, Fieber, Schilddrüsenunterfunktion, Husten, peripheres Ödem, erhöhte Lipasespiegel und Blutbildveränderungen. 

 

Quellen: 

[1] Produktinformation (EMA) Imjudo®; AstraZeneca; 02. März 2023 

[2] Veröffentlichung (Medicine Overview) EMA; 02. März 2023: Imjudo® (Tremelimumab) 

[3] Produktinformation (EMA) Tremelimumab AstraZeneca; AstraZeneca; 21. Februar 2023 

[4] Pressemitteilung AstraZeneca; 22. Februar 2023: Imfinzi plus Imjudo approved in the EU for patients with advanced liver and non-small cell lung cancers 

[5] Veröffentlichung Website astrazeneca.com: Defining new targets in liver cancer (zugegriffen am 29.03.2023) 

[6] Johnson ML et al. J Clin Oncol. 2023; 41(6): 1213 

[7] Abou-Alfa GK et al. NEJM Evid 2022; 1(8) 

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