Methenamin-­Hippurat: neu bei wieder­kehrenden HWI

Blase
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Mit Cystohipp® steht erstmals ein Präparat mit Methenamin-Hippurat bei wiederkehrenden Harnwegsinfekten (HWI) bereit.     

Mit Cystohipp® 1 g Tabletten steht in Deutschland das erste und einzige  Methenamin‑Hippurat‑Präparat zur Prophylaxe von unkomplizierten Infektionen der unteren Harnwege zur Verfügung. Das Arzneimittel hat am 14. November 2025 die Zulassung in Deutschland erhalten und wird von der Dr. Pfleger Arzneimittel GmbH als Lizenzpartner von EQL Pharma AB auf den Markt gebracht. Damit erhalten Patientinnen und Patienten mit rezidivierenden Harnwegsinfektionen erstmals Zugang zu dieser antibiotikafreien Alternative, die das Risiko der Entwicklung antibiotikaresistenter Bakterien nicht weiter erhöht. 

Chronisch rezidivierende Harnwegsinfektionen (rHWI), definiert als mindestens drei Episoden pro Jahr oder zwei Episoden pro Halbjahr, treten bei Frauen mit einer Inzidenz von 1-5% auf und stellen eine erhebliche individuelle und sozioökonomische Belastung dar. Besonders betroffen sind junge und postmenopausale Frauen. Zu den gesicherten prämenopausalen Risikofaktoren zählen unter anderem häufige sexuelle Aktivität und die Anwendung spermizider Kontrazeptiva, während in der Postmenopause Harninkontinenz, Restharn und Zystozelenbildung die Rezidivrate erhöhen. Die Behandlung von rHWI gestaltet sich deutlich schwieriger als die einer akuten Harnwegsinfektion. Die leitliniengerechte Therapie setzt zunächst bei risikoarmen Verhaltens‑ und Hygienemaßnahmen an, ergänzt um nicht‑antibiotische Strategien wie Immunstimulation oder lokale Estrioltherapie sowie – sofern notwendig – antimikrobielle Langzeitprophylaxen. 

Vorangegangene Antibiotikatherapien können zur Selektion resistenter Erreger führen und damit die Wirksamkeit weiterer antibakterieller Maßnahmen mindern und die Therapie weiter erschweren. Vor diesem Hintergrund gewinnt ein gut verträgliches, lokal im Urin wirksames Antiseptikum wie Methenamin‑Hippurat an Bedeutung. So wird es in der aktuellen S3-Leitlinie (Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller,  

ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei Erwachsenen) als empfohlene empirische alternative, nicht-antimikrobielle Präventionsoptionen bei rezidivierender Zystitis für Frauen ohne sonstige Begleiterkrankungen genannt. 

Cystohipp® enthält pro Tablette 1 g Methenamin(benzamidoacetat), ein Salz aus Methenamin und Benzamidoessigsäure (Hippursäure). Im sauren Milieu des Urins wird Methenamin zu Formaldehyd hydrolysiert und entfaltet gemeinsam mit der Hippursäure eine antibakterielle Wirkung, die sich bereits etwa 30 Minuten nach Einnahme im Urin nachweisen lässt. Da der Wirkmechanismus ein saures Urinmilieu voraussetzt, kann bei alkalischem Urin die zusätzliche Gabe eines Harnansäuerungsmittels erforderlich sein. Cystohipp® wirkt gegen die typischen Erreger von Harnwegsinfektionen, insbesondere gegen Escherichia coli und Aerobacter aerogenes, während die Wirksamkeit gegenüber harnstoffspaltenden Bakterien wie Pseudomonas oder einigen Proteus‑Stämmen vermindert ist. Das Präparat ist zur Prophylaxe unkomplizierter Infektionen der unteren Harnwege zugelassen. Hierzu zählen die langfristige prophylaktische Therapie nach Erstbehandlung mit einem geeigneten Chemotherapeutikum bei wiederkehrenden Harnwegsinfektionen, die Langzeittherapie zur Vorbeugung wiederkehrender Blasenentzündungen, die kurzfristige Prophylaxe bei Patienten mit Verweilkathetern oder Urinsammlern zur Verringerung von Infektionen und Katheterverstopfungen, die Prophylaxe perioperativer Harnwegsinfektionen bei chirurgischen Eingriffen sowie die Prophylaxe bei asymptomatischer Bakteriurie vor endourologischen Eingriffen.  

Die empfohlene Dosierung für Erwachsene beträgt 1 g zweimal täglich, wobei die Dosis bei Patienten mit Verweilkatheter auf 1 g dreimal täglich erhöht werden kann. Jugendliche über 12 Jahre erhalten ebenfalls 1 g zweimal täglich, Kinder zwischen sechs und 12 Jahren 0,5 g zweimal täglich. Für Kinder unter sechs Jahren liegen keine ausreichenden Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit vor.  

Cystohipp® ist kontraindiziert bei Überempfindlichkeit gegenüber Methenamin(benzamidoacetat), Formalin oder einem der sonstigen Bestandteile sowie bei Niereninsuffizienz, schwerer Dehydrierung, Gicht, Leberfunktionsstörungen, metabolischer Azidose und bestehenden Niereninfektionen. Aufgrund des Risikos einer Kristallurie darf Cystohipp® nicht gemeinsam mit Sulfonamiden eingenommen werden. Alkalische Arzneimittel und Antazida können den pH‑Wert des Urins erhöhen und so die Wirksamkeit von Methenamin vermindern. Eine gleichzeitige Anwendung sollte daher vermieden werden.  

Unter der Einnahme von Cystohipp® werden häufig beobachtet: Übelkeit, Erbrechen, Hautausschlag und Blasenreizungen. Selten tritt Hämaturie auf, während Diarrhö, Bauchschmerzen und Pruritus mit unbekannter Häufigkeit beschrieben sind. Gelegentlich kann es zu Superinfektionen mit Hefen kommen sowie bei hohen Dosierungen zu einer chemischen Zystitis mit Dysurie.  

 

Quellen: 

[1] Fachinformation Cystohipp® 1 g Tabletten; Dr. Pfleger Arzneimittel; November 2025 

[2] Pressemittleilung EQL Pharma; 14. November 2025: Methenamine Hippurate (branded as Cystohipp©) have gained marketing approval in Germany 

[3] Vahlensieck W, et al. Dtsch Arztebl 2015; 112(37): [16] 

[4] S3-Leitlinie Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei Erwachsenen (HWI); Registernummer: 043-044 Langversion 3.0; April 2024 

[5] Schmiemann G, et al. Dtsch Arztebl Int 2024; 121: 373 

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