Neuzulassung Orphan-Drug: Livmarli

3D Modell einer Leber
Leber

Neue Therapiemöglichkeit des cholestatischen Juckreizes infolge des seltenen genetisch bedingten Alagille-Syndroms.

Das Alagille-Syndrom ist eine seltene erbliche Entwicklungsstörung, die zu Anomalien verschiedener Körpersysteme führt. Die Europäische-Arzneimittel-Agentur (EMA) schätzte im Jahr 2013, dass in der EU nicht mehr als 0,3 von 10.000 Personen von dieser Erkrankung betroffen waren.  

Das Alagille-Syndrom ist lebensbedrohlich und kann sich unter anderem in Form von Leberanomalien, Herzerkrankungen oder Knochendeformationen äußern. Bei vielen Patienten zeigen sich Störungen in der Leberfunktion aufgrund zu geringer Anzahl an Gallenwegen. Aufgrund dessen können sich Gallensäuren in Leber anreichern, das Lebergewebe schädigen und auch Juckreiz verursachen. 

Für die Erkrankung ist eine symptomatische Therapie angezeigt. Zum Zeitpunkt der Zulassung von Livmarli® gab es für das Alagille-Syndrom keine andere zugelassene Behandlung. Livmarli® enthält den Wirkstoff Maralixibat, der als selektiver Inhibitor des ilealen Gallensäuretransporters (IBAT) fungiert. Durch IBAT wird Gallensäure vom Darm zurück in das Blut und die Leber transportiert. Durch die Blockade wird eine Wiederaufnahme von Gallensäuren in die Leber lokal im distalen Ileum verringert. Zusätzlich wird die Clearance im Kolon verstärkt und die Gallensäure Konzentration im Serum sinkt. Infolgedessen kann sich die Symptomatik des cholestatisch bedingten Pruritus verbessern. 

Livmarli® hat sich bei der Reduktion der Gallensäure-Konzentration im Blut und des damit verbundenen Juckreizes in zwei Hauptstudien als wirksam erwiesen und war mit einem akzeptablen Auftreten von Nebenwirkungen verbunden. In der ersten Studie wurden 31 Kinder (Alter: 1 bis 18 Jahre) mit Alagille-Syndrom über 18 Wochen mit Livmarli® behandelt. Es konnte eine Reduktion der Gallensäure Konzentration im Serum um mindestens 50 % (bei 29 Kindern) beobachtet werden. Damit verbunden war auch eine Besserung der Juckreiz-Symptomatik. Die zweite Studie, an der 8 Kinder (Alter: 2 Monate bis 1 Jahr) teilnahmen, erzielte nach 13-wöchiger Behandlung vergleichbare Ergebnisse.  

Die häufigsten Nebenwirkungen während der Behandlung betrafen den Gastrointestinaltrakt und äußerten sich in Diarrhoe und Abdominalschmerzen. Keine dieser Nebenwirkungen war schwerwiegend. 

Livmarli® ist als Lösung zum Einnehmen erhältlich und kann ab einem Alter von 2 Monaten gegeben werden. Die Anfangsdosis beträgt 190 µg/kg Körpergewicht einmal täglich morgens und sollte nach einer Woche auf die Zieldosis von 380 µg/kg erhöht werden. Die Applikation erfolgt mittels einer beigepackten Spritze in passender Skalierung.  

Da es sich bei Alagille-Syndrom um eine sehr seltene Krankheit handelt, waren die Studien klein und die Daten zur Sicherheit begrenzt. Livmarli® wurde dennoch unter „außergewöhnlichen Umständen“ von der EMA zugelassen. Das bedeutet, der Antragsteller konnte keine umfassenden Daten über Wirksamkeit und Sicherheit vorlegen, da es sich um eine seltene Erkrankung handelt. Deshalb muss der pharmazeutische Unternehmer jährlich Daten zu Wirksamkeit und Sicherheit vorlegen. Für Livmarli® ist die Studie LEAP (MXP-310) zur weiterführenden Beurteilung vorgesehen. 

  

Quellen: 

[1] Veröffentlichung der Website ema.europa.eu: EU/3/13/1214: Orphan designation for the treatment of Alagille syndrome; zugegriffen am 10.01.2023 

[2] Produktinformation (EMA) Livmarli®; Mirum Pharmaceuticals; 14.12.2022 

[3] Veröffentlichung (Medicine Overview) EMA; 14.12.2022: Livmarli® (Maralixibat) 

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