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Ontozry® - neue Therapie­option bei Epilepsie

Epilepsy awareness, mental health
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Mit dem Arzneimittel Ontozry® des pharmazeutischen Unternehmens Arvelle Therapeutics ist jetzt ein neuer Therapieansatz für erwachsene Patienten mit Epilepsie auf dem deutschen Markt erhältlich. 

 

Cenobamat wurde bereits 2019 von der amerikanischen Zulassungsbehörde (FDA) für die Behandlung von fokalen epileptischen Anfällen bei Erwachsenen unter dem Handelsnamen Xcopri® zugelassen. In Deutschland erfolgte der Einsatz des Antiepileptikums bereits seit 2020 im sogenannten Härtefallprogramm, auch bekannt als "Compassionate Use". Im April erfolgte nun die zentrale Zulassung durch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA).

Ontozry® ist indiziert als Begleittherapie fokaler Anfälle (beginnend in einem spezifischen Bereich des Gehirns) mit oder ohne sekundäre Generalisierung, also Ausbreitung über das gesamte Gehirnareal, bei erwachsenen Patienten mit Epilepsie. Dabei ist das Antiepileptikum genau an die Menschen gerichtet, die trotz einer vorangegangenen  Behandlung mit mindestens zwei antiepileptischen Arzneimitteln nicht ausreichend kontrolliert sind.

Dies sind nicht wenige:

In Europa leiden schätzungsweise sechs Millionen Menschen an Epilepsie. Circa 40% der erwachsenen Patienten mit fokaler Epilepsie haben trotz Behandlung mit zwei Medikamenten eine unzureichende Kontrolle der Anfälle.

Bei dem in Ontozry® enthaltenen Wirkstoff, Cenobamat, handelt es sich um ein kleines Molekül mit einem noch nicht genau geklärten Wirkmechanismus. Zwei Wirkprinzipien scheinen dabei v. a. wichtig zu sein: Einerseits handelt es sich um einen Natriumkanal-Blocker, welcher das wiederholte neuronale Feuern reduziert. Andererseits bewirkt der Wirkstoff auch eine positive Modulation des γ-Aminobuttersäure-(GABA)-A-Ionenkanals.

Ontozry® ist als Tabletten in verschiedenen Dosierungen von 50 mg, 100 mg, 150 mg über 200 mg sowie einer Starterpackung bestehend aus 12,5 mg und 25 mg, erhältlich. Die Einnahme erfolgt einmal täglich, vorzugsweise zur gleichen Tageszeit. Dabei beträgt die empfohlene Anfangsdosis 12,5 mg Cenobamat pro Tag. Schrittweise erfolgt anschließend über mehrere Wochen eine Erhöhung auf eine Zieldosis von 200 mg. Im Falle eines Nichtansprechens des Patienten kann die Dosis auf maximal 400 mg pro Tag gesteigert werden.

Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Ontozry® gehören Schläfrigkeit, Schwindelgefühl, Ermüdung, Sehstörungen und andere ZNS-bezogene Symptome. Cenobamat zeigte zudem eine dosisabhängige Verkürzung des QTcF-Intervalls. Daher sollte die Kombination mit anderen die QT-Zeit verkürzenden Arzneimitteln mit Vorsicht erfolgen.

Weiterhin ergibt sich daraus eine Gegenanzeige für die Gabe des neuen Antiepileptikums bei familiärem Short-QT-Syndrom. Dabei handelt es sich um eine seltene Erbkrankheit, die einen zu einem unregelmäßigen Herzrhythmus führen kann.

Die Wirksamkeit von Cenobamat als Begleittherapie bei fokalen Anfällen wurde in einer multizentrischen, randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie an erwachsenen Patienten mit fokaler Epilepsie, die trotz einer früheren Antiepileptika-Behandlung nicht ausreichend kontrolliert wurden, untersucht. Die Gabe erfolgte dabei zusätzlich zur Standardbehandlung (ein bis drei Hintergrund-Antiepileptika). Cenobamat wurde für 12 Wochen täglich in einer festen Dosierung von 100 mg bis 400 mg gegeben. Das neue Antiepileptikum verbesserte im Vergleich zu Placebo die Anfallskontrolle bei den untersuchten Patienten mit fokalen Anfällen. So konnte mit Cenobamat in einer Tagesdosis von 100 mg bei 40,2% der Patienten eine Verringerung der Anfallshäufigkeit um mindestens 50% gezeigt werden. Bei einer Tagesdosierung  von 200 mg und 400 mg betrug der Prozentsatz 56,1% bzw. 64,2%. Demgegenüber lag der Wert bei Placebo bei 25,5%.

Wie alle neuartigen Arzneimittel unterliegt auch Ontozry® nach Marktzulassung dem sog. "Additional Monitoring", einer zusätzlichen Überwachung durch die Arzneimittelbehörden, um eine schnelle Identifizierung neuer sicherheitsrelevanter Erkenntnisse zu ermöglichen. Angehörige von Gesundheitsberufen sind daher aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung zu melden.

 

Quellen:

[1] Produktinformation (EMA) Ontozry®; Arvelle Therapeutics; April 2021

[2] Veröffentlichung (EPAR - Medicine overview) EMA; 13. April 2021: Ontozry®

[3] Produktinformation (FDA) Xcopri®; SK Life Science; November 2019

[4] Pressemitteilung Angelini Pharma; 30. März 2021: Ontozry® (cenobamate) receives European Commission approval for the treatment of drug-resistant focal-onset seizures in adults

[5] Veröffentlichung Website bfarm.de: Härtefallprogramme/ Compassionate Use (zugegriffen am 26.05.2021)

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