Mit Teizeild® ist die erste krankheitsmodifizierende Therapie bei Typ-1-Diabetes auf dem Markt verfügbar.
Teizeild® ist zugelassen zur Verzögerung des Fortschreitens von Typ-1-Diabetes im Stadium 2 in das Stadium 3 bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab 8 Jahren.
Bei Typ-1-Diabetes (T1D) handelt es sich um eine fortschreitende Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem nach und nach die insulinproduzierenden Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört. Dadurch produzieren die Betazellen zunächst immer weniger und schließlich gar kein Insulin mehr, sodass die Blutzuckerregulation zunehmend beeinträchtigt wird.
Die Entstehung von Typ-1-Diabetes wird in drei Stadien eingeteilt. Voraussetzung für die präsymptomatischen Stadien 1 und 2 sind mindestens zwei typische Inselautoantikörper im Blut. In Stadium 1 bestehen dabei noch keine Beschwerden und normale Blutzuckerwerte. In Stadium 2 entwickelt sich zusätzlich eine gestörte Glukosetoleranz mit ansteigenden Blutzuckerwerten, meist noch ohne spürbare Symptome und ohne manifeste Hyperglykämie.
Stadium 3 entspricht dem klinisch manifesten Typ-1-Diabetes. Durch weitgehende Zerstörung der Beta-Zellen kommt es zur klinischen Hyperglykämie mit Symptomen wie starkem Durst, häufigem Wasserlassen, Müdigkeit und Gewichtsverlust; es ist eine tägliche Insulintherapie nötig.
Genau an diesem Übergang – von Stadium 2 zu Stadium 3 – setzt Teizeild® an. Durch die Modulation des fehlgeleiteten Immunsystems kann es das Fortschreiten zum klinischen Stadium 3 verzögern. Damit zielt die Therapie auf den zugrunde liegenden Immunprozess der Erkrankung.
Der in Teizeild® enthaltene Wirkstoff Teplizumab ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper, der gegen das CD3-Molekül auf T-Lymphozyten gerichtet ist. Durch diese Bindung wird vermutlich eine partiell agonistische Signalübertragung ausgelöst, die autoreaktive CD8+-T-Zellen funktionell dämpft und so die immunvermittelte Betazellzerstörung reduziert. Ziel der Behandlung mit dem Anti-CD3-Antikörper ist es, die autoimmune Schädigung der Betazellen zu verlangsamen und damit den Zeitpunkt der klinischen Manifestation hinauszuzögern.
Teizeild® wird einmal täglich als intravenöse Infusion über mindestens 30 Minuten an 14 aufeinanderfolgenden Tagen verabreicht; die Dosierung richtet sich nach der Körperoberfläche. Vor Therapiebeginn sind ein großes Blutbild, Leberenzymtests und der Impfstatus zu prüfen. In den ersten fünf Behandlungstagen wird eine Prämedikation mit einem nichtsteroidalen Antirheumatikum oder Paracetamol, einem Antihistaminikum und bei Bedarf einem Antiemetikum empfohlen. Bei relevanten Laborveränderungen kann die Therapie bis zu drei Tage unterbrochen werden, während bei persistierenden schweren Befunden oder schwerwiegenden Infektionen ein dauerhafter Abbruch erforderlich ist.
Zu den häufigsten Nebenwirkungen unter Teizeild® zählen Lymphopenie, Leukopenie, Neutropenie und Ausschlag. Als schwerwiegende Nebenwirkungen werden insbesondere das Zytokin-Freisetzungssyndrom sowie Transaminasenerhöhungen, Infektionen, Lymphopenie und Neutropenie beschrieben.
Die Zulassung basiert auf den Daten der randomisierten, doppelblinden, ereignisgesteuerten, placebokontrollierten Studie TN-10 mit 76 Patienten (8–49 Jahre) mit T1D im Stadium 2. Über 14 Tage erhielten die Teilnehmenden einmal täglich Teplizumab oder Placebo als i. v. Infusion. Primärer Endpunkt war die Zeit bis zur Diagnose eines Typ-1-Diabetes im Stadium 3. Teplizumab verzögerte die Progression signifikant, sodass der Übergang zu Stadium 3 im Median rund zwei Jahre später erfolgte (50 vs. 25 Monate; HR 0,41; 95%-KI 0,22–0,78; p=0,0066; mediane Nachbeobachtung 51 Monate).
Je besser frühe T1D-Stadien erkannt werden, desto größer wird das Potenzial präventiver Therapiestrategien – etwa mit Teizeild®. Ein flächendeckendes Screening ist in Deutschland bislang jedoch nicht in der Regelversorgung etabliert und erfolgt derzeit vor allem studienbasiert, z. B. im Rahmen bestimmter Programme zur Früherkennung wie Fr1da sowie Freder1k/GPPAD.
Quellen:
[1] Fachinformation Teizeild® 1 mg/ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung; Sanofi-Aventis; Januar 2026
[2] Pressemitteilung Sanofi; 12. Januar 2026: Press Release: Sanofi’s Teizeild approved in the EU for patients with stage 2 type 1 diabetes
[3] Veröffentlichung Website diabinfo.de: Diabetes Typ 1: Ursachen und Entstehung (zugegriffen am 11.02.2026)
[4] Wabitsch M, et al. Diabetes Stoffwechs Herz. 2024;33(5):247–257.