Lieferengpässe bei Holoxan, Endoxan, Phenhydan

Lieferengpass, Holoxan, Endoxan, Phenhydan

Lieferengpässe bis 2026/2027: Onkologische Therapien und neurologische Notfallbehandlung müssen frühzeitig angepasst werden. 

Im onkologischen und neurologischen Bereich bestehen derzeit mehrere, teils lang andauernde Lieferengpässe essenzieller parenteraler Arzneimittel, über die die Hersteller in Abstimmung mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) informieren. Betroffen sind Holoxan (Ifosfamid) Pulver zur Herstellung einer Injektions- oder Infusionslösung in den Stärken 500 mg, 1 g, 2 g und 3 g, Endoxan (Cyclophosphamid) Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung in den Stärken 200 mg, 500 mg und 1 g sowie Phenhydan (Phenytoin) Injektionslösung. Bei allen drei Präparaten handelt es sich um etablierte Therapiesäulen u.a. in der Behandlung maligner Erkrankungen bzw. akuter Krampfzustände, sodass die Engpässe unmittelbare Auswirkungen auf Klinik‑ und Praxisabläufe haben. 

Die Firma Baxter Deutschland GmbH meldet für Holoxan einen EU‑weiten Lieferengpass infolge einer technischen Störung am Auftragsfertigungsstandort. Die Produktion wurde zwar bereits wieder aufgenommen, es bestehen aber weiter begrenzte Kapazitäten, weshalb davon ausgegangen wird, dass die Lieferengpässe bis ins erste Quartal 2027 andauern werden. Ifosfamid ist ein Stickstofflost‑Analogon und wird als Zytostatikum bei verschiedenen malignen Erkrankungen eingesetzt. Um die vorhandenen Restmengen möglichst zielgerichtet einzusetzen, erfolgt eine Kontingentierung auf Länderebene. Vor Einleitung neuer Therapien soll sichergestellt sein, dass Ifosfamid für den kompletten geplanten Behandlungszyklus zur Verfügung steht. Prioritär zu versorgen sind Patienten mit laufender Therapie und Patienten ohne adäquate Therapiealternativen. Bei unzureichender Verfügbarkeit sind leitliniengerechte alternative Regime zu prüfen. Nach Herstellerangaben beruhen die Engpässe nicht auf Qualitäts‑, Wirksamkeits‑ oder Sicherheitsbedenken hinsichtlich der aktuell verfügbaren Chargen. 

Ebenfalls von einem technischen Defekt am Auftragsfertigungsstandort betroffen ist Endoxan (Cyclophosphamid) zur parenteralen Anwendung in den Stärken 200 mg, 500 mg und 1 g. Auch hier war die Produktion vorübergehend unterbrochen, konnte aber bereits wieder aufgenommen werden. Baxter rechnet mit einer eingeschränkten Versorgung bis voraussichtlich ins dritte Quartal 2026. Cyclophosphamid gehört wie Ifosfamid zu den Stickstofflost‑Analoga und wird zur Behandlung eines breiten Spektrums hämatoonkologischer und solider Tumoren sowie in Konditionierungsregimen vor Knochenmarktransplantation eingesetzt; zusätzlich findet es Anwendung bei bestimmten schweren Autoimmunerkrankungen. Die Engpassmeldung betrifft ausschließlich die intravenösen Darreichungsformen; die Versorgung mit Cyclophosphamid‑Tabletten ist nach Angabe des Zulassungsinhabers nicht beeinträchtigt. Baxter weist darauf hin, dass in vielen EU‑Mitgliedstaaten weitere Anbieter für intravenöses Cyclophosphamid verfügbar sind, sodass – abhängig von der nationalen Marktsituation – eine Substitution im Rahmen der Zulassung in Betracht kommt. Auch hier gilt, dass vor Beginn neuer parenteraler Therapien der komplette Zyklusbedarf für die Behandlung sicherzustellen ist, um Therapieunterbrechungen zu vermeiden. Wie bei Holoxan ist die Ursache des Lieferengpasses nicht auf Bedenken hinsichtlich der Sicherheit, Wirksamkeit oder Qualität der derzeit verfügbaren Cyclophosphamid-Mengen zurückzuführen. 

Im neurologischen Notfallbereich besteht seit Oktober 2025 ein Lieferengpass für Phenhydan (Phenytoin) Injektionslösung der Firma Desitin Arzneimittel GmbH, der Mitte März 2026 aktualisiert wurde. Phenytoin i.v. wird u.a. zur Therapie bestimmter Krampfanfallsformen einschließlich Status epilepticus und Anfallsserien sowie zur Prophylaxe von Krampfanfällen im Rahmen neurochirurgischer Eingriffe eingesetzt und ist damit ein wesentlicher Bestandteil notfallneurologischer Behandlungspfade. Ursache für den Lieferengpass ist die Verlagerung der Herstellung der sterilen Darreichungsform. Die Wiederverfügbarkeit von Phenhydan wurde ursprünglich für den 1. April 2026 erwartet, verzögert sich allerdings nach derzeitigen Erkenntnissen weiter und wird voraussichtlich erst im Juli 2026 wieder hergestellt sein. Seit November 2025 existiert zudem ein Rote-Hand-Brief für eine Charge von Phenhydan, in welcher sichtbare Partikel gefunden wurden und daher als Sicherheitsmaßnahme das Verwenden eines Spitzenvorsatzfilters unabdingbar sind. 

Als pharmakologisch nahe Alternative wird Fosphenytoin benannt, welches gemäß der letztgültigen Behandlungsleitlinie (AMWF S2k-Leitlinie Status epilepticus im Erwachsenenalter) eine vollwertige und in der Notfallbehandlung des benzodiazepinrefraktären Status epilepicus bevorzugte Alternative zu Phenytoin i.v. darstellt und damit einen wesentlichen Beitrag zur Sicherstellung der Versorgung leisten kann. Die Vorbereitungen zur Markteinführung von Fosphenytoin Desitin 75 mg/ml Injektions‑/Infusionslösung sind weiter vorangeschritten, die Lieferfähigkeit wird nach aktuellem Stand im Verlauf des Mai 2026 erwartet.  

 

 

Quelle(n): 

[1] Veröffentlichung Baxter; 30. März 2026: Holoxan (Ifosfamid, 500 mg, 1 g, 2 g und 3 g Pulver zur Herstellung einer Injektions- oder Infusionslösung): Lieferengpass 

[2] Veröffentlichung Baxter; 30. März 2026: Endoxan (Cyclophosphamid, 200 mg / 500 mg / 1 g Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung): Lieferengpass 

[3] Veröffentlichung Desitin; 19. März 2026: Update zur Liefersituation: Phenhydan® Injektionslösung / Fosphenytoin DESITIN® 

[4] Fachinformation Holoxan; Baxter; April 2024 

[5] Fachinformation Endoxan; Baxter; April 2024 

[6] Fachinformation Phenhydan Injektionslösung; Desitin; März 2025 

[7] Veröffentlichung Desitin; 06. Oktober 2025: Lieferengpassmeldung zu Phenhydan® Injektionslösung 

[8] Rote-Hand-Brief Phenhydan® (Phenytoin); 19. März 2026: Phenhydan® Injektionslösung (Phenytoin-Natrium): Risiko von Partikeln – Aktualisierung der Information vom 07.11.2025 

[9] Rote-Hand-Brief Phenhydan® (Phenytoin); 07. November 2025: Phenhydan® Injektionslösung (Phenytoin-Natrium): Risiko von Partikeln 

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