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Rote-­Hand-­Brief zu Obetichol­säure

Neue Kontraindikation bei Ocaliva® zur Behandlung der primären biliären Cholangitis (PBC) für bestimmte Patienten.

 

Obeticholsäure, der Wirkstoff in Ocaliva®, ist als modifizierte Gallensäure ein selektiver und potenter Agonist für den Farnesoid X-Rezeptor (FXR). Dieser Kernrezeptor, der in hohen Konzentrationen u.a. in der Leber exprimiert wird, ist mutmaßlich ein wichtiger Regulator für Gallensäure-, Entzündungs-, Fibrose- und Stoffwechsel-Wege. Seine Aktivierung senkt mithilfe verschiedener Mechanismen die intrazellulären Hepatozytenkonzentrationen der Gallensäuren und damit die Gesamtgröße des zirkulierenden Gallensäure-Pools. Gleichzeitig wird die Leberexposition gegenüber Gallensäuren reduziert.  

Ocaliva® wird angewendet für die Behandlung der primären biliären Cholangitis (PBC) - auch unter der Bezeichnung primäre biliäre Zirrhose bekannt - in Verbindung mit Ursodeoxycholsäure (UDCA) bei Erwachsenen, die unzureichend auf UDCA ansprechen, oder als Monotherapie bei Erwachsenen, die UDCA nicht tolerieren können. Das Präparat erhielt 2016 eine bedingte Genehmigung für das Inverkehrbringen. Seither wurden die Ergebnisse aus zwei klinischen Studien (747-401 und 747-302) zur Wirksamkeit und Sicherheit bei Patienten mit PBC mit dekompensierter Zirrhose (mäßige bis schwere Leberfunktionsstörung) bzw. bei einer breiteren PBC-Population erwartet. Die Zwischenergebnisse dieser Studien wurden von einem unabhängigen Datenüberwachungsausschuss als höchstwahrscheinlich aussichtslos eingestuft und die Sicherheit und Wirksamkeit von Ocaliva® konnte somit bei diesen Patienten nicht nachgewiesen werden. In Anbetracht dieser Tatsache, sowie aufgrund des Vorliegens zusätzlicher neuer Sicherheitsinformationen aus Berichten nach der Markteinführung bzgl. eines möglichen kausalen Zusammenhangs von Leber- und Gallenerkrankungen und einer Behandlung mit Obeticholsäure, ist die Anwendung von Ocaliva® bei Patienten mit PBC mit dekompensierter Zirrhose (einschließlich Child-Pugh-Klasse B oder C) sowie bei einem vorherigen hepatischen Dekompensationsereignis nun kontraindiziert. 

In der Praxis bedeutet das, dass die Behandlung von Patienten mit PBC mit dekompensierter Zirrhose, die derzeit Obeticholsäure erhalten, abgebrochen werden muss. Eine routinemäßige Überwachung der Patienten hinsichtlich eines Fortschreitens der PBC ist notwendig und Ocaliva® muss bei Patienten mit Laborwerten oder klinischen Anzeichen, die auf eine hepatische Dekompensation hindeuten, einschließlich eines Übergangs zur Child-Pugh-Klasse B oder C, dauerhaft abgesetzt werden. Ebenso darf die Behandlung mit Obeticholsäure nicht begonnen werden, wenn bei dem Patienten eine dekompensierte Zirrhose vorliegt oder vor Behandlungsbeginn in der Vorgeschichte ein Dekompensationsereignis aufgetreten ist. 

Fach- und Gebrauchsinformation werden entsprechend der neuen Kontraindikation und der zusätzlichen Warnhinweise aktualisiert. 

 

Quellen: 

[1] Rote-Hand-Brief Ocaliva® (Obeticholsäure); 09. Juni 2022: Ocaliva® (Obeticholsäure): Neue Kontraindikation für die Behandlung der primären biliären Cholangitis (PBC) bei Patienten mit dekompensierter Leberzirrhose oder mit einer vorherigen hepatischen Dekompensation in der Vorgeschichte 

[2] Fachinformation Ocaliva® 5 mg/10 mg Filmtabletten; Intercept Pharma International Ltd.; Januar 2022 

[3] Veröffentlichung Website ema.europa.eu: Overview zu Ocaliva® (zugegriffen am 01.06.2022) 

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