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Rote-­Hand-­Brief: O­nasem­nogen­-Abepar­vovec

Ein Risiko für Thrombotische Mikroangiopathie (TMA) besteht nach der Behandlung mit Zolgensma® (Onasemnogen-Abeparvovec).

 

Zolgensma® ist ein Gentherapeutikum welches für Patienten mit 5q-assoziierter spinaler Muskelatrophie (SMA) indiziert ist. Hierbei handelt es sich um eine seltene autosomal-rezessiv vererbte Erkrankung, die durch den fortschreitenden Untergang von motorischen Nervenzellen, allmählich zu einem Muskelschwund bzw.- schwäche führt. Betroffene Patienten leiden neben der Muskelschwäche- insbesondere unter einer eingeschränkten Motorik sowie zum Teil auch unter schwerwiegenden Lungenfunktionseinschränkungen.

Seit der Zulassung von Zolgensma® wurden weltweit etwa 800 Patienten mit dem Arzneimittel behandelt. Von diesen entwickelte sich bei fünf Kindern (Alter: vier bis 23 Monate) innerhalb von sechs bis elf Tagen nach der Infusion von Onasemnogenen-Abeparvovec eine Thrombotischen Mikroangiopathie. Die TMA ist eine akute lebensbedrohliche Erkrankung, welche genetisch bedingt oder erworben sein kann und durch Thrombozytopenie, hämolytische Anämie und akute Nierenschädigung charakterisiert ist. Wird eine TMA rechtzeitig erkannt und angemessen therapiert, ist sie heilbar. Unabhängig von der Behandlung wird das Auftreten einer TMA bei Kindern insgesamt auf wenige Fälle pro eine Million geschätzt. Daher ist es wichtig, insbesondere im Zusammenhang mit Zolgensma® ein verschärftes Bewusstsein für das mögliche Auftreten bei mit Onasemnogen-Abeparvovec behandelten Patienten zu erlangen.

In Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) und dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) informiert der pharmazeutische Unternehmer Novartis Gene Therapies deshalb über das Risiko einer TMA im Zusammenhang mit der Zolgensma®-Behandlung und aktualisiert in diesem Zuge auch seine Produktinformation. Zusätzlich zu den bereits bestehenden Kontrolluntersuchungen, soll nun vor der Behandlung mit dem Gentherapeutikum der Kreatininwert des Patienten bestimmt und ein großes Blutbild, inklusive Hämoglobin und Thrombozytenzahl, erstellt werden. In der Woche nach der Infusion soll die Thrombozytenzahl weiterhin engmaschig kontrolliert werden. Hintergrund hierfür ist, dass die TMA vorrangig in den ersten Wochen nach der Verabreichung von Zolgensma® auftrat. Auch im weiteren Verlauf der Behandlung unterliegt die Thrombozytenzahl einer regelmäßigen Kontrolle. Zeigt sich hierbei eine Thrombozytopenie, sollten weitere Untersuchungen, einschließlich diagnostischer Tests auf hämolytische Anämie und Nierenfunktionsstörung stattfinden.

Deuten Anzeichen, Symptome oder Befunde bei einem Patienten auf das Auftreten einer TMA hin, sollte unverzüglich fachärztlicher und multidisziplinärer Rat in spezialisierten Zentren ersucht werden, um schnellstmöglich mit der Behandlung der TMA zu beginnen. Zudem sollen auch die Betreuungspersonen der Kinder über Merkmale und Symptome einer TMA aufgeklärt werden, um die Betroffenen bei Auftreten von Blutergüssen, Krampfanfällen, Erbrechen, erhöhtem Blutdruck und/oder Oligurie/Anurie sogleich in eine ärztliche Notfallbehandlung zu bringen.

Zolgensma® unterliegt weiterhin einer zusätzlichen Überwachung, um neue Erkenntnisse über die Sicherheit schnell zu identifizieren. Diesbezüglich sind Angehörige von Gesundheitsberufen aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung alsbald zu melden.

Quellen:

[1] Rote-Hand-Brief Zolgensma® (Onasemnogen-Abeparvovec); 18. März 2021: Risiko einer Thrombotischen Mikroangiopathie

[2] Vorbericht (vorläufige Nutzenbewertung) S18-02 Version 1.0 Neugeborenenscreening auf 5q-assoziierte spinale Muskelatrophie; Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen; 23.10.2019

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