Treosulfan: Bekannter Wirkstoff jetzt mit neuer Indikation

Donnerstag, den 01. August 2019

Mit Trecondi® bringt der pharmazeutische Unternehmer Medac eine alternative Arzneimitteloption zur Konditionierung vor einer allogenen hämatopoetischen Stammzelltransplantation (allo-HSCT) auf den Markt. Bekannt ist der antineoplastische Wirkstoff bislang in oraler oder intravenöser Darreichungsform aus der palliativen Behandlung fortgeschrittener Ovarialkarzinome.

Zugelassen ist Trecondi® in Kombination mit Fludarabin im Rahmen einer Konditionierungstherapie vor einer allogenen hämatopoetischen Stammzelltransplantation (allo-HSCT) bei Erwachsenen mit malignen und nicht-malignen Erkrankungen sowie bei malignen Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen ab einem Monat. Die zytotoxische Wirkung gegen hämatopoetische Vorläuferzellen beruht auf der Bildung von Epoxiden aus dem Prodrug Treosulfan, welche die nukleophilen Zentren der Desoxyribonukleinsäure (DNA) alkylieren und damit in der Lage sind, DNA-Querverbindungen zu induzieren, die für die Stammzellen abbauenden und antineoplastischen Wirkungen verantwortlich gemacht werden.

Im Gegensatz zum palliativen Einsatz ist für das neue Anwendungsgebiet ausschließlich eine intravenöse Verabreichung vorgesehen. Hierfür steht Trecondi® als Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung in Durchstechflaschen mit 1 g bzw. 5 g Treosulfan zur Verfügung. Behandlungsplan und die entsprechende Dosierung richtet sich individuell nach Art der Erkrankung und bestimmten Patientenkriterien (Alter, Gewicht bzw. Körperoberfläche und Malignität der Erkrankung). Es ist daher wichtig, dass die Behandlung mit Treosulfan von einem Arzt überwacht wird, der Erfahrung mit Konditionierungstherapien und anschließender allo-HSCT besitzt.

Eine Studie im Namen der Arbeitsgruppe Akute Leukämie der Europäischen Gesellschaft für Blut- und Marktransplantation verglich die Ergebnisse von Stammzelltransplantationen nach einer Konditionierung mit Fludarabin entweder in Kombination mit Busulfan oder Treosulfan. Einer Kohorte wurde Busulfan in einer myeloablativen Dosis von 12,8 mg pro kg Körpergewicht oder in einer reduzierten Dosis von 6,4 mg pro kg Körpergewicht intravenös verabreicht, während eine weitere Gruppe Treosulfan in einer Dosis von 42 g pro m2 Körperoberfläche oder 36 g pro m² Körperoberfläche erhielt. Bei der ersten vollständigen Remission nach der Transplantation ergaben sich dabei zunächst keine Unterschiede zwischen den Patientengruppen, jedoch konnte unter einer Treosulfan-basierter Konditionierung bei fortgeschrittener Leukämie ein besseres Gesamtüberleben beobachtet werden. Hauptsächlich wird dieses allerdings durch die Krankheitsbiologie bestimmt und zeigt unter verschiedenen Regimen ähnliche Ergebnisse - hier eine zwei-Jahresüberlebensrate von 58%, 53%, 53% bzw. 51%. Treosulfan-basierte Therapien waren dabei aber mit seltenerem Auftreten einer Graft-versus-Host-Reaktion assoziiert, was Trecondi® zu einer vielversprechenden, in der Wirksamkeit nicht unterlegenen Alternative zu einer Konditionierung auf Busulfan-Basis macht.

Quellen:
[1] Produktinformation (EMA) Trecondi®; Medac; Juli 2019
[2] Fachinformation Ovastat®; Medac; Juni 2014
[3] Shimoni A, et al. Intravenous Busulfan Compared with Treosulfan-Based Conditioning for Allogeneic Stem Cell Transplantation in Acute Myeloid Leukemia: A Study on Behalf of the Acute Leukemia Working Party of European Society for Blood and Marrow Transplantation; Biol Blood Marrow Transplant. April 2018, 24(4):751-757