Rote-Hand-Brief Pembrolizumab

Freitag, den 13. Juli 2018

Mittels Rote-Hand-Brief berichtet das Pharmaunternehmen Merck Sharp & Dohme B.V. (MSD) in Abstimmung mit dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) und der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) über eine Einschränkung der First-line-Indikation von Keytruda®. Aufgrund vorläufiger Daten einer klinischen Studie mit dem humanisierten monoklonalen Antikörper Pembrolizumab wird der Hersteller eine Änderung der Anwendungsgebiete, betreffend die Behandlung von Patienten mit Urothelkarzinom, in der Produktinformation vornehmen. Konkret handelt es sich dabei um Keytruda® 50 mg Pulver für ein Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung sowie 25 mg/ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung. 

Keytruda® besitzt ein breit gefächertes Anwendungsgebiet in der Tumortherapie. Der Wirkmechanismus des Antikörpers Pembrolizumab erklärt sich durch die Bindung an den „Programmed cell death-1“-(PD-1)Rezeptor, ein negativer Regulator der T-Zell-Aktivität, welcher nachweislich an der Kontrolle der T-Zell-Immmunreaktion beteiligt ist. Folglich wird die Interaktion mit seinen Liganden PD-L1 und PD-L2 blockiert, welche auf Antigen-präsentierenden Zellen exprimiert werden und von Tumoren oder anderen Zellen in der Mikroumgebung des Tumors exprimiert werden können.

Das antineoplastische Arzneimittel ist unter anderem angezeigt als Monotherapie zur Behandlung des lokal fortgeschrittenen oder metastasierenden Urothelkarzinoms bei Erwachsenen, die vorher eine Platin-basierte Therapie erhalten haben oder nicht für eine Cisplatin-basierte Therapie geeignet sind. Während das erste Anwendungsgebiet unverändert bleibt, wird die zweite Indikation durch den Zusatz "und deren Tumoren PD-L1 mit einem kombinierten positiven Score (CPS) größer gleich 10 exprimieren" eingeschränkt. 

Grund hierfür sind die vorläufigen Informationen aus einem frühen Review einer gegenwärtig laufenden klinischen Studie namens KEYNOTE-361. Die randomisierte, kontrollierte, offene Studie untersucht Pembrolizumab mit oder ohne Platin-basierte(r) Kombinationstherapie versus Chemotherapie als Erstlinien-Therapie bei Patienten mit fortgeschrittenem oder metastasierendem Urothelkarzinom. Bei Patienten unter Keytruda®-Monotherapie, deren Tumore PD-L1 mit einem CPS < 10 exprimieren, zeigte sich ein verringertes Überleben im Vergleich zur Standard-Chemotherapie. Auf Empfehlung des externen Data Monitoring Committee (DMC) stoppte MSD daraufhin die Aufnahme von Patienten mit einem CPS < 10 in den Keytruda®-Monotherapiearm. Dieser ist nun ausschließlich für Patienten offen, deren Tumore PD-L1 mit einem CPS größer gleich 10 exprimieren. Die Entscheidung, ob die Therapie fortgeführt werden soll, muss nun von den bisher in die Studie eingeschlossenen Patienten mit dem neuen Ausschlusskriterium sowie dem Prüfarzt getroffen werden. 

Abschließend weist MSD darauf hin, dass alle anderen zugelassenen Anwendungsgebiete von Keytruda® nicht betroffen sind. Überdies werden Angehörige von Gesundheitsberufen und Patienten aufgefordert, jegliche unerwünschte Arzneimittelwirkungen im Zusammenhang mit der Anwendung von Keytruda® umgehend zu melden.  

Quellen:

[2] Produktinformation (EMA) Keytruda®; Merck Sharp & Dohme B.V.; Juni 2018