Anwendungseinschränkung Radium-223-dichlorid

Montag, den 16. Juli 2018

Xofigo®

Wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) aktuell mitteilt, sind neue Empfehlungen zur Anwendung des Präparates Xofigo® durch den Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) bekannt gegeben worden.

Xofigo® mit seinem aktiven Bestandteil Radium-223, gehört zur pharmakotherapeutischen Gruppe der Alphateilchen-emittierenden Radiotherapeutika.
Durch Bindung an des Knochenmineral Hydroxylapatit wird der Wirkstoff selektiv, insbesondere in Bereichen von Metastasen, in den Knochen eingelagert. Sein hoher linearer Energietransfer (80 keV/μm) hat einen starken zytotoxischen Effekt auf angrenzende Tumorzellen. Da die Reichweite der Alphateilchen allerdings unter 100 μm (weniger als 10 Zelldurchmesser) beträgt, wird der Schaden auf das umgebende gesunde Gewebe minimiert.
Initial wurde das Arzneimittel 2013 zugelassen zur Behandlung von Erwachsenen mit kastrationsresistentem Prostatakarzinom und symptomatischen Knochenmetastasen ohne bekannte viszerale Metastasen. Es erfuhr jedoch bereits im März dieses Jahres (wir berichteten) einer Prüfung des PRACs mit dem Ergebnis einer vorläufigen Empfehlung, Xofigo® nicht in Kombination mit Zytiga® (Abirateronacetat) und Prednison/Prednisolon zu verabreichen.

Hintergrund bildeten die, zum damaligen Zeitpunkt, vorläufigen Ergebnisse einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten klinischen Studie (ERA-223), welche die klinische Wirksamkeit und Sicherheit des gleichzeitigen Beginns der Behandlung mit Radium-223-dichlorid, Abirateronacetat und Prednison/Prednisolon bei chemotherapienaiven Patienten mit asymptomatischem oder leicht symptomatischem kastrationsresistentem Prostatakarzinom (CRPC) untersuchte. Dabei wurde, im Vergleich zu Placebo, ein erhöhtes Risiko für frühere Sterblichkeit und für Knochenbrüche in der Verumgruppe verzeichnet.Weitere Auswertungen folgten nun.
Die Ursachen für die mögliche frühere Sterblichkeit sind nach wie vor nicht geklärt. Die Knochenfrakturen betreffend, wird nach derzeitigem Stand angenommen, dass Radium-223-dichlorid sich verstärkt an vorgeschädigten Knochenstrukturen (z. B. durch Osteoporose oder Mikrofrakturen) ansammelt und dadurch das Risiko für Knochenbrüche erhöht. Weitere Erkenntnisse zur Klärung der Mechanismen und Nutzen-Risiko-Verhältnisse der Populationen sollen mittels Studien gewonnen werden, zu welchen der pharmazeutische Unternehmer verpflichtet wurde.

Bis diese vorliegen wird empfohlen, eine Anwendung von Xofigo® fortan zusätzlich auf Patienten zu beschränken, die zuvor bereits zwei andere Therapien gegen metastasierten Prostatakrebs (Prostatakrebs, der sich auf den Knochen ausgebreitet hat) erhalten haben oder für die keine andere Therapieoptionen in Frage kommen. Das Arzneimittel sollte in Übereinstimmung mit der aktuellen Indikation auch nicht bei Patienten ohne Symptome und nicht bei Patienten mit einer geringen Anzahl von osteoblastischen Knochenmetastasen zum Einsatz kommen. Die im März veröffentlichten Empfehlungen behalten ebenfalls ihre Gültigkeit.
Findet eine Behandlung mit Xofigo® statt, sollte das Risiko für Knochenbrüche berücksichtigt werden und Patienten vor, während und nach der Therapie gründlich untersucht werden.

In den nächsten Schritten werden die PRAC-Empfehlungen nun an dem Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) zur Stellungnahme weitergeleitet. Eine rechtlich bindende Entscheidung für alle EU-Mitgliedstaaten wird die Europäische Kommission anschließend treffen.

Quellen:
[1] Veröffentlichung BfArM (Risikobewertungsverfahren); Xofigo®: Anwendungseinschränkungen bei der Behandlung von Prostatakrebs; 16. Juli 2018
[2] Pressemitteilung EMA; 09. März 2018: Prostate cancer medicine Xofigo® must not be used with Zygita® and prednisone/prednisolone
[3] Produktinformation (EMA) Xofigo®; Juni 2018